Im Prinzip wollen wir ja an der Planaterrastrasse 11 ein behindertengerechtes Haus führen. Von Anfang an blieben zum Beispiel die Zugänge zu Bad und Dusche in den Wohnungen, zur Waschküche und sogar zum Garten schwellenfrei, und auch der Eingang zum Restaurant Kulturpunkt ist ebenerdig. Aber gleichwohl ist es nicht selbstverständlich, dass sich bei uns Menschen mit einer Behinderung wohl fühlen. Nach einem Gespräch mit zwei Rollstuhlfahrerinnen ist klar: bauliche Verbesserungen sind angesagt.
Seit dem Frühjahr arbeitet Siri Anesini (33) als juristische Mitarbeiterin beim Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit im Nachbargebäude im Hofgraben. Aber es gebe dort keine Mensa, nur eine Mikrowelle und einen Kaffeeautomaten. Also habe sie sich umgeschaut! Die vegetarische Küche im Kulturpunkt passe ihr gut, Küchenchef Sebastian koche ja sehr kreativ. Ja, sie sei auch schon mit Kolleginnen oder ihren Eltern hier gewesen. Am langen Tisch unterhält sich Siri gern mit den andern Gästen. Toilette? Ach, die benutze sie am Arbeitsplatz, aber gut zu wissen, dass diese hier gross genug wäre. Und der Zugang zum Haus, wenn es einmal regnet? Hoppla, da ist Siri weniger zufrieden: „Pfützen und Nässe – das ist mit dem Rollstuhl unangenehm.“ Sie hätte gern einen asphaltierten Platz oder einen mit grossen Platten ausgelegt. „Jedoch keine Pflastersteine“, sagt sie und wendet ihr Gefährt mit einem Lächeln in Richtung Arbeitsort.
Auch Gabriela Kirsch (60) ist auf den Rollstuhl angewiesen. Die gebürtige Berlinerin ist Multiple Sklerose-Patientin und wohnt seit Frühjahr 2023 im Haus Planaterrastrasse 11. Man sieht Gabi nicht so oft am Mittagstisch, es sei denn, ein Gericht aus ihrer Lieblingsküche Indien stehe auf dem Menüplan. Gabi benötigt rund um die Uhr eine Betreuung. Derzeit ist es Daira aus Litauen, die mit Gabi ab und zu auch Spazierfahrten macht. Aber da ist das Duo ebenfalls auf bauliche Erleichterungen angewiesen. Gabi erwähnt die löchrige, staubige Zufahrt zum Haus: „Da bleiben die Räder des Rollstuhls stecken und werden voll Schmutz!“ Und dann die Haustüre: diese sollte sich automatisch öffnen, der IV-Beitrag sei längst gesprochen, doch nichts passiere. Richtig gut funktioniere einzig der Lift.
Fazit: Wer mit einem Rollstuhl, einem Rollator oder mit Krücken oder Kinderwagen in unser Haus kommt, der findet noch nicht optimale Verhältnisse vor. Für unsere Genossenschaft und für den Kulturpunkt gibt es also noch einiges zu tun!
Bildlegende:
Siri Anesini steuert ihren Rollstuhl öfters zum Mittagessen in den Kulturpunkt.


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