Bei Lotte im Ap’n Daun klettern für Senioren

Die Menschen bei uns in der Genossenschaft Planaterra widmen sich sehr unterschiedlichen Tätigkeiten. Man weiss, wer im Garten, in Haus und Hof oder in einem medizinischen Bereich tüchtig ist.

Aber was macht eigentlich Lotte? Ja, Lotte Neumann, die immer dann hilft, wenn es im hauseigenen Computersystem Probleme gibt?

Dabei ist der IT-Bereich gar nicht Lottes Hauptberuf. Diese“Skills“ habe sie sich einfach nebenbei durch ihren Mann Falk angeeignet, sagt die Dreiunddreissigjährige. Beide, also Falk und sie, haben einst an der gleichen Schule in Deutschland Abitur gemacht und sind dann zusammen in die Grossstadt Berlin gezogen. Das Klettern in einer Halle war für Lotte, die Kunst und Malerei studierte, ein Ausgleich, ja, sie konnte bereits damals eine Boulderhalle leiten. (Nebenbei: Bouldern meint klettern ohne Sicherung, dafür mit einem weichen Boden um eventuelle Stürze aufzufangen).

Doch eine grosse Sehnsucht nach Bergen und freier Natur zog das junge Paar vor fünf Jahren in die Schweiz nach Bern. Und hier, als es mit einem Job im Kunstbereich nicht klappen wollte, fand Lotte das Angebot der Kletterhalle Ap’n Daun Chur: „Ich wurde direkt als Leiterin des Betriebes engagiert“. Zeitlich versetzt absolvierten sie und Falk die Ausbildung VSBK, was bedeutet, dass man sich als Gast auf die Sicherheit von Kletterwänden und Material verlassen kann.

Nun fand ja kürzlich das Kletterfestival im Ap’n Daun statt. Es wurde Schnupperklettern auch für Senioren angeboten. Also nichts wie hin! Und wirklich hantieren hier nicht nur junge Leute mit Seil, Gstältli und Karabinern am Fuss der riesigen Kletterwände. Ich bekomme Andi als Coach, der mir rät, immer die gelben oder roten Griffe zu benutzen. Uff,  aber die Tritte sind für meine Füsse einfach zu schmal und ich bekomme Bammel, lehne mich zurück und geniesse noch kurz ein paar Meter bequemes Abseilen. Zurück auf dem Boden geht es an die Theke zur Café-Plauderei mit Lotte.  Ich finde, dass sie und Falk die Zusammensetzung unserer Genossenschaft ganz toll aufmischen! Vielleicht sollte ich doch nochmals einen Anlauf an der Kletterwand nehmen…

Das Apn’Daun in Chur.
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Der Garten gibt mehr zu tun als gedacht

Erde umschichten, Steine entfernen, Bretter aus Lärchenholz mit Plastik verkleiden und einsetzen, Zementsteine zuschneiden, den Flaschenzug bedienen, Eisenstangen senkrecht zur Stabilisierung ins Erdreich schlagen, Wasserleitung zu- und abführen – kurz: der steile Haldengarten gibt mehr zu tun als ursprünglich gedacht. Das sagt auch unser Jonathan, der die Regie bei diesen erwähnten Arbeiten führt. Und es ist nicht leicht, immer wieder Leute aus unserer Wohngenossenschaft zu animieren, um mitzuhelfen.

Aber es ist ja unglaublich: am Samstag nachdem gerade die erste Freitagabend-Bar mit vielen Gästen und entsprechend auch viel Arbeit beendet war, sehe ich schon wieder drei von uns mit Schaufel und Pickel hantieren. Sie füllen die Karette mit Erde, welche von ganz unten nach ganz oben befördert werden soll. Dazu hat Jonathan mithilfe eines alten Bergsteigerseils einen Flaschenzug eingerichtet, der oben um den Stamm eines Apfelbäumchens läuft. Sofern die Karette nicht kippt ist das eine gute Sache!

So oder so ist es eine strenge Arbeit. Wenn am Samstag mehrere Leute im Einsatz sind, dann werden diese immerhin zum Zmittag verpflegt wie kürzlich aus der Küche von Heidi. Und am übernächsten Samstag steht ein Höhepunkt an: der alte Brunnentrog aus Zement soll mit Handkraft eingesetzt werden. Klar könnte ein Kranwagen dies einfacher und präziser machen, doch das wäre viel zu teuer, meint Jonathan. Ihm ist schon klar, dass es noch einige Wochen dauert, bis man über neu zu legende Stufen zu den ebenerdigen Beeten gelangen und diese bepflanzen kann. „Aber das macht doch nichts – wir müssen keinen Termin einhalten.“ Jonathan, unser Hauswart und Gartengestalter, gibt nicht auf und greift nach unserm Gespräch gleich wieder zur Schaufel.

Auf unserm Bild von letztem Samstag: zwei Männer und eine Frau packen an.

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Diese Wiese soll nicht wachsen!

Erst regnet es und dann viel Sonne! Im Hanggarten an der Planaterrastrasse in Chur wächst alles fröhlich drauflos. Auch dort, wo man es eigentlich nicht so gern hat, nämlich auf dem Pflastersteinboden beim Südausgang  sowie oben beim Grillplatz. Diese beiden Erholungsplätze präsentieren sich derzeit nicht mehr so aufgeräumt wie im Frühjahr. Schuld ist das sogenannte Unkraut, das sich frisch und munter zwischen Kieselsteinen hervor drängt. Die grosse Frage: wie bekommt man das unerwûnschte Grün wieder los? 

Beim Südausgang haben ein paar Leute Handarbeit angelegt, das heisst mit krummem Rücken und Ziehen und Rupfen haben sie das sogenannte Berufskraut – ein invasipher Neophyt- ausgezogen. Wohl wissend, dass diese beharrliche Pflanze erneut hervordringt und Ärger macht.

Anders auf dem Kiesweg zum Grillplatz. Unsere Gartenfachfrau Christine hat es  nämlich aufgegeben, Leute zum Jäten aufzurufen. Diese Sisiphusarbeit-also etwas, das stets von Neuem erforderlich ist und doch nichts bringt-findet keine Freunde im Haus. Man habe dies wohl früher falsch eingeschätzt, blickt Christine auf die Anfänge der Genossenschaft bainviver zurück. Freiwilligenarbeit ist ja wichtig, aber die einen haben genug zu tun mit dem eigenen Gemüsebeet und die andern sind vielleicht noch in Studium oder Arbeit eingebunden.

Zukünftig müsse man wohl eine solide Hauswartstelle ausschreiben, sagt Christine. Denn es geht im oberen Teil des Areals auch um Winden, Brombeeren, Efeu, Hopfen, wilde Reben, die sich zum Dickicht ausbreiten. Und einfach einwenig Pestizide ausspritzen? Um Himmels Willen- nie bei uns!  wehrt Christine ab. Die Biodiversität stehe im Konzept der Genossenschaft Planaterra11 und daran werde bei aller Mühe nicht gerüttelt!

Im Moment sind wir ganz normale Mietende

In unserer Genossenschaft ist es derzeit Sommerloch-ruhig. Gestern an der Bewohnendenversammlung nahmen ja nur gerade zehn Personen teil. Man war froh, dass die hektische Zeit mit Sommerfest, Begrüssungs- und Abschiedsapéros, Gartentag etc. für einmal vorbei war. So dürfen wir derzeit ganz normale Mieter und Mieterinnen einer Wohnung sein, ohne noch sonst allerlei Aufgaben erfüllen zu müssen.

Ganz normal ist ja auch, dass es rund um eine Wohnsiedlung nicht nur freundliche Nachbarn gibt. Auch wir haben jetzt einen, der mit uns schimpft. Von seiner Dachterrasse aus wetterte er kürzlich hinunter, als aus der Feuerschale Rauch zu seinem Wäscheständer hinauf stieg. Wir mussten ganz schnell Feuer und gemütliche Runde um ein paar Meter verschieben. Auch mit dem Musikstil unserer Konzerte ist er nicht so einverstanden.

Ferner machen die Schnecken im Garten keine Sommerferien. Christine sucht daher Nacktschneckensammler. Kiloweise friert sie diese dann erst im Gemeinschaftsfrigo ein, bevor sie in den Hauskehricht gelangen. Dort werden sie zur Verbrennung geführt und werden also kremiert. Jetzt braucht es auch noch mehr Unkrautjätende! Es stellt sich die Frage: mehr Natur oder mehr gepflegte Rabatten? Persönlich stören mich Löwenzahn und Co. nicht, aber vielleicht bin ich einfach zu faul für das Jäten.

Dann war noch von einer neuen Regentonne die Rede, die aber undicht war. Thomas ist jetzt dabei, die Löcher zu verschweissen. Und Jonathan plant, eine gemeinsame Wanderung anzubieten. Von den Wohnungsrochaden und neuen Mietern erzähle ich ein anderes Mal. Erst einmal ist jetzt Sommerloch angesagt!

Glacé ist angesagt – aber muss man erst darum bitten?

In unserm Haus an der Planaterrastrasse 11 gibt es zwei sogenannte Player: die Genossenschaft bainvier mit den 15 Wohnungen und das Bistro-Restaurant Kulturpunkt mit den Eventsälen und den Mittagsmenüs. Beide Gruppen sind sowohl selbstständig wie aber auch miteinander verflochten. Doch dieses Geschäftsmodell – man lässt sich seine Unabhängigkeit und unterstützt sich gleichzeitig – hat es in sich: man wird halt hie und da überrascht und wundert sich.

Plötzlich hiess es, dass unser bewährter Koch Sebastian am 13. Juni seinen letzten Arbeitstag hat. Wir Bewohnende sollen ihn doch nach dem Mittagessen mit einem Geschenk verabschieden. Ich war schon etwas betrübt, denn ich mochte seine vegetarische Küche und war oft am Mittagstisch anwesend. Nun also das letzte Essen mit seinem bayrischen Kartoffelsalat.

Aber auf unserer Terrasse unter den Sonnenschirmen war es sommerlich heiss – und wo war nun die Glacéauswahl, von der vor etlichen Wochen die Rede war? Es sollte ja so ein Eiswagen angeschafft werden mit einer Auswahl von verschiedenen Cornets und Eisbechern. Schon sonderbar: unsere Gastrochefin Lenka sprach von Glacé, und doch war nirgendwo ein Flyer oder ein Plakat, die diese Neuigkeit auch angepriesen hätten. Es wurde etwas von Lieferbedingungen gemurmelt. Aber Glacé wenn nicht jetzt wann dann?

Heute ging ich einfach an die Theke und verlangte frech ein Cornet zum Dessert. Dieses kam und im Nu hatte dann die ganze Gesellschaft so etwas herrlich Kühles in der Hand. Bleibt zu hoffen, dass der neue Koch, der am Montag im Kulturpunkt seine Stelle antritt, das Glacésortiment von Anfang an in seinen Menüplan einbauen kann. Und es bleibt auch zu hoffen, dass die Infos zwischen bainviver und Kulturpunkt gegenseitig fliessen, sodass alle im Haus immer auf dem neuesten Wissensstand sind.

Generalversammlungen sind doch sowas von langweilig

Man erwartet ja kaum einen unterhaltsamen Nachmittag, wenn man an eine GV eingeladen ist. Aber die Jahresrechnung muss schliesslich abgenommen werden, und als Mitglied der Genossenschaft… wir waren jedenfalls beschlussfähig am letzten Samstag. Auch wenn die jungen Mitbewohnenden sich wegen Country- oder andern Festivals entschuldigt hatten.

Dafür nahmen etliche Mitglieder teil, die gar nicht im Haus wohnen! Sie sind aus ideellen Gründen dabei, weil sie den Genossenschaftsgedanken unterstützen. Das tut der bainviver-Seele gut! Und sowieso: man sollte durchaus die 24 Seiten des Geschäftsberichts lesen. Überraschung – man kommt vielleicht ja selber dort vor. So wie ich auf Seite 16.

Klar, dann gibt es so Unwörter wie „Organisationsentwicklungskommissions-Vorstand“ (es sind 44 Buchstaben!). Da greift Jana halt zur Lismete und strickt an ihrem ockerfarbenen Pullover weiter. Das stört niemanden und ohnehin – in der Pause wird ein Konzert angekündigt. Wir haben ja mit Luzi Juon einen Berufsmusiker im Vorstand! Er hat sein Lunchquartett engagiert, drei Streicher und die Oboe. In unserm blumengeschmückten „Konzertsaal“ ist es ganz feierlich, bis es dann mit dem Abarbeiten der Traktandenliste weiter geht.

Auch der Apéro ist nicht ohne. Salzstängeli und fertig? Denkste! Oben in der Clusterküche hat man mittags dekorative Häppchen gestaltet, und zwar viele! Aber das ist noch nicht alles, denn gleich wird noch ein Film vorgeführt. Die RTR-Regisseurin Bertilla Giossi ist selber anwesend und schaut mit uns das Werk, das sich mit Genossenschaften im Kanton allgemein und speziell mit bainviver befasst. Fazit des Nachmittags: ich bin saufroh, dass ich zu dieser Genossenschaft gehöre, die so eine unterhaltsame Generalversammlung durchführt.

Sind Gartenzwerge auch Tiere?

An der letzten BO (Abkürzung für Bewohnendenorganisationsversammlung) war ich, da auf Reise in Italien, nicht dabei. Aber das von Richi verfasste Protokoll habe ich natürlich studiert. Erneut zeigte es sich, dass die Haustierfrage bewegt: klar, laut Umfrage vom vorletzten Mal, bezeichnen sich ja alle Personen bei uns als tierliebend. Mäuse, Spinnen, Wespen gehören zwar auch zur Biodiversität, und dennoch möchte man diese Spezies lieber nicht im Haus wissen. So ist die Grenze zu Hund und Katze eben auch fliessend. Zurückhaltung sei bei der Genehmigung gefragt, und am liebsten hat man vielleicht den Hund aus Metall, der als kleine Skulptur vor Gabis Wohnung steht.

Jedenfalls soll das Vermietungsreglement betreffend Haltung von Haustieren noch überarbeitet werden, aber freundlich formuliert, wie jemand dann doch forderte. Nun, jetzt im Sommer bietet unser Garten und der ganze Aussenraum genügend Gelegenheit, um die einheimische Fauna zu studieren: Schmetterlinge, Eidechsen, Vögel bewegen sich über das Mauerwerk. Ein paar dekorationsfreudige Gartenleute haben die Natur noch mit kleinen künstlichen Objekten geschmückt: da ist ein Vogel mit Vogelbad aus rostigem Eisen, eine Schnecke, eine Schildkröte, ein Tatzelwurm. Und jemand hat tatsächlich zwei Gartenzwerge am Rand des Gehweges platziert. Frage: sind Gartenzwerge auch Tiere? oder darf man zugeben, dass dies doch eher Kitsch ist?

Im Näh-Treff geht es auch um nachhaltige Mode!

Schon längst wollte ich einmal etwas über diesen wöchentlichen Näh-Treff in unserm Haus berichten. Immer am Freitag kann man einen Blick in die Schneiderei werfen, wo Frauen und auch Männer an einer von fünf Nähmaschinen sitzen und mit Stoffen hantieren. Klar, wer aus einem Kriegsland flüchten muss, nimmt nur das Nötigste mit. Daher ist dieses kostenlose Angebot des Kulturpunkts – der Näh-Treff – äusserst sinnvoll und wird rege genutzt. Gerade Frauen aus der Ukraine seien kreative Schneiderinnen, sagt man.

Diese Woche tritt der Näh-Treff noch mit einem weiteren Anliegen an die Öffentlichkeit: Es geht nämlich um faire Mode! Priska und Sabine, die beiden Organisatorinnen, haben sich dem Projekt „Fashion-Revolution Schweiz“ angeschlossen. Zum Gedenken an das Unglück in der Textilfabrik von Rana Plaza im April 2013 wird bei uns im Kulturpunkt wie auch an andern Orten in der Schweiz über nachhaltige Mode diskutiert. Dies sei eine Bewegung, mit welcher man die Modeindustrie verändern wolle, sagt Priska. Es gehe um Infos über die miserablen Arbeitsbedingungen der Näherinnen, um Rohstoffe, Abfallberge und um Umweltzerstörung.

Im Kulturpunkt gibt es jetzt an drei Tagen Anregungen, wie man mit Kleidertausch und Wiederverwertung die Modeindustrie verändern könnte. Zubehör wie buntes Garn und anderes aus dem Nähkästli ist vorhanden, und wer sich noch nicht an die Nähmaschine getraut, bekommt Unterstützung. Schön ist, dass neben Migranten auch Einheimische mit Schere und Nadel hantieren, wie etwa Eva, die aus einer ausgedienten Jeanshose ein Paar lässige Shorts kreiert. Ein echter Input zu Upcycling!

Also mich hat diese Aktion schon nachdenklich gemacht! Erst kürzlich habe ich ja dummerweise ein paar Sachen im Textilcontainer entsorgt, anstatt sie hierher zum Kleidertausch zu bringen. Und dann kaufte ich mir dieses silbergraue T-Shirt mit der Etikette „Marc Aurel“ (das war doch ein römischer Kaiser?). Nun, 80 Prozent aus Baumwolle, aber ich habe keine Ahnung, wo und unter was für Bedingungen dieses neue Stück in meiner Garderobe entstanden ist. Shame, shame….Besser wäre, sich heute noch Infos an der Fashion Revolution Week im Kulturpunkt zu holen.

beUnity und das vergessene Velo

Eine wirklich nützliche und gleichzeitig einfache App, die unserer Genossenschaft zur Verfügung steht, das ist die beUnity-App. Man erreicht damit spontan alle Bewohnenden, egal, ob man zu einem Apéro auf der Terrasse einlädt oder ob man sich ärgert, dass im Moment alle Waschmaschinen besetzt sind. Fragen und Antwort geben funktioniert unkompliziert durch alle Wohnungen hindurch. So auch beim jüngsten Problem des vergessenen Velos.

Zu diesem Thema sind bis jetzt etwa sieben beUnity-Nachrichten verschickt worden. Zuerst war es Falk, dem auffiel, dass ein weisses Rad mit plattem Reifen seit einem halben Jahr beim Unterstand Süd den Platz versperrt: „Braucht jemand Hilfe beim Flicken?“ Aber Rienk meinte, es könnte sich um ein vergessenes oder gar geklautes Rad handeln. Daraufhin meldete sich Jonathan und schrieb, die Polizei könne anhand der Rahmennummer und der Marke feststellen, ob das Zweirad als gestohlen gemeldet sei. Heidi wiederum wollte kurzen Prozess machen und einfach bei Velafrica eine Etikette bestellen und es gratis der Bahn übergeben. Dazu muss man wissen, dass Velafrica mit Sitz in Liebefeld ausgediente Räder sammelt, sie repariert und sie dann zur Unterstützung von Notleidenden in sieben Länder Afrikas exportiert.

Soweit so gut. Auch ein angehefteter Zettel: „Wenn das Velo nicht bis dann und dann abgeholt wird, dann wird es entsorgt“, ergab nichts. Und nein, auch Reto vom Velogeschäft gegenüber weiss nichts über den Besitzer. Jetzt habe ich mich jedoch selber auf beUnity gemeldet und vorgeschlagen, dass man das Fahrzeug einem Migranten schenken könnte. Diese gehen ja bei uns im Kulturpunkt ein und aus. Egal ob sie im Meiersboden, im Foral oder sonstwo untergebracht sind – die Wege in die Stadt sind lang, und ein Zweirad wäre ihnen nützlich.

Jonathan, der nochmals auf der Stadtpolizei war, meint, dass wir nur noch das Okei der zuständigen Beamtin abwarten müssen. Dann können wir endlich einen Migranten mit diesem Velo beglücken und auf beUnity wieder zu einem andern Thema wechseln.

Neu im Kulturpunkt: die Saatgutbibliothek von Karin

In unserm Bistro in der Ecke beim Eingang gibt es neu eine Saatgutbibliothek. Zu sehen ist ein schönes Holzkästli, auf dessen Oberfläche lauter kleine beschriftete Tüten aufgereiht sind. Das sei die Churer Saatgutbibliothek ist als Info dahinter zu lesen.

Es geht also um Saatgutvermehrung für den Garten, um das Tauschen und Ausleihen der winzigen Sämchen und schliesslich um mehr Biodiversität. Dies ist das Anliegen von Karin Roth (57) aus Thusis, die jede Woche während zwei Tagen im Haus an der Planaterrastrasse 11 tätig ist. Die gelernte Gärtnerin und Sozialpädagogin hat zwei Standbeine: Betreuung von Migranten und ebenso Betreuung von Gartenfreunden, die sich für Vermehrungsbiologie interessieren: „Alte Sorten von unbehandeltem Gemüse und Salaten sowie Überschuss von gekauftem Saatgut – all das kann hier unkompliziert getauscht werden.“

Karin Roth hat sich ein riesiges Wissen zu diesem Thema angeeignet und gibt mit ihrer Fachgruppe „Regional Saatgut tauschen“ fast in der ganzen Schweiz Kurse. Zu Recht ist sie die Schneckenkönigin, wie auf ihrer Homepage http://www.schneckenkoenigin.ch ersichtlich ist.

Aber warum gerade im Kulturpunkt? Nun, die Philosophie der Biodiversität passt zum vegetarischen Restaurant ebenso wie zum Garten der Genossenschaft! Das findet auch Christine, unsere Gartenfachfrau, die selber Setzlinge mit Samen aus der Saatgutbibliothek züchtet: „Hier im Bistro gehen viele Umweltakteure als Gäste ein- und aus, weshalb diese Tauschaktion sehr gut zum Angebot passt.“

Bild: Karin Roth, die Schneckenkönigin, präsentiert die neue Saatgutbibliothek.

Und dann sagen sie: „Tschüss, schöns Tägli“

Jetzt muss ich wieder einmal von den Emigranten berichten, die ich wöchentlich im Kulturpunkt treffe. Dina, Khujista, Aref und Mussie üben mit mir Deutsch, aber ohne irgend einen grammatikalischen Druck. Gleichwohl soll ihnen die Plauderei helfen, unsere Sprache in Wort und Schrift besser zu verstehen. Doch das ist für sie enorm schwierig, das muss man sich einmal vor Augen halten: Nicht nur haben wir andere Schriftzeichen als sie in ihrer Heimat, denn mit unserer Gross- und Kleinschreibung und mit der Reihenfolge der Wörter kommen noch mehr Probleme auf sie zu.

Zum Üben senden sie mir oft Texte und berichten aus ihrem Tagesablauf. Beispielsweise so: „Ich habe heute Morgen aufgestanden und zum Frühstück eier gegessen. Später habe ich mein Mittagessen gegessen. Dann hat mein Kollegen telefoniert und wir haben gesprochen.“

Sie können ja alle ziemlich gut Englisch, also dort schreibt man „eggs“ klein. Warum jetzt auf Deutsch mitten im Satz mit einem grossen „E“? Überhaupt diese Gross- und Kleinschreibung! Und wie ändert die Bedeutung von plaudern, reden, sprechen?

So gibt es noch viele kleine Verbesserungen, die wir einüben. Dazu haben wir heute ein Diktat gemacht, wozu uns als Text das Fasnachtsprogramm diente. Gut möglich, dass meine Lernenden dann auch am Strassenrand stehen und den Umzug bestaunen. Ein paar Dialektausdrücke kennen sie natürlich auch, etwa „Fasnachtschüechli“. Ja und wenn sie den Kulturpunkt verlassen, dann rufen sie jeweils fröhlich „Tschüss, schöns Tägli“ in den Raum.

Zum Diktat dient das Fasnachtsprogramm.

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