Die Generalversammlung: Höhepunkt im ibc-Jahr

Gestern Samstag fand unsere ordentliche Generalversammlung statt. Da erscheinen jeweils alle Bewohner und Bewohnerinnen. Im Gemeinschaftsraum richtete man sich für einen langen Nachmittag ein, denn die Traktandenliste war umfangreich. Nun, das Wetter war ja sowieso nasskalt und unfreundlich. Am blumengeschmückten Vorstandstisch präsentierten unser Präsident Silvio und seine Mitstreiter ein straffes Programm. Zügig ging es zur Jahresrechnung, die von unserer Geschäftsstellenleiterin Doris vorgestellt wurde. Keine leichte Aufgabe, diesen „Zahlensalat“ verständlich darzustellen. Ich und die meisten andern sind einfach froh, dass wir mit so Begriffen wie „Nebenkosten“, „Versicherungen“ und „übrige betriebliche Aufwände“ im Allgemeinen nichts zu tun haben.

Beim Traktandum „Wahlen“ galt dann wieder aktives Mitmachen. Obwohl eigentlich klar war, dass wir unsern Silvio wieder für drei Jahre bestätigen, sollte die Wahl politisch einwandfrei mit geheimer Abstimmung erfolgen. Also Zettel verteilen, Name schreiben, falten, einsammeln, auszählen. Dasselbe galt für die Ersatzwahl von zwei Vorstandsmitgliedern. Jetzt sind also zwei neue Damen in den Vorstand eingezogen, es gab Küsschen für die Bisherigen und Applaus für die Neuen.

Der letzte Teil war mit der Erklärung von Reglements-Änderungen wieder ziemlich theoretisch. Doch es gab ja auch die Ankündigung von neuen Mietern, die demnächst bei uns einziehen werden. Prima, da freue ich mich schon einmal auf den Willkommens-Apéro! Aber nach fast drei stündiger Dauer war jetzt erst einmal Pause angesagt, und dann wurde die GV 2019 gefeiert mit einem tollen Imbiss. Nein, nein, für den musste niemand von uns in der Küche stehen, denn wir haben ja in Bonaduz besten Catering-Service. Da kommen die Platten wie von selbst auf den Tisch.

Wir sind schon längst sehr Klima-bewusst

Letzte Woche, am Freitagabend, war ich in Chur unterwegs und lief zum Bahnhof. Da stolperte ich mitten in die Demo der jungen Leute, die auf ihren Velos für den Klimaschutz kämpften. Sie waren fröhlich und ernsthaft zugleich, und sie hatten meine volle Sympathie!

Aber punkto Umweltbewusstsein konnten sie mir kein schlechtes Gewissen verursachen, denn in unserer Genossenschaft gehen wir seit jeher achtsam mit allen Ressourcen um. Zunächst sind wir ja ein Minergie-Haus, das mit Pellets beheizt wird und eine ausgeklügelte Warmwasseraufbereitung und Raumlüftung hat. Unsere Liko (Liegenschaftskommission) kennt die technischen Abläufe und kontrolliert sie.

Doch was ist mit den Küchen- und Gartenabfällen? Ich meine, mit Zeitungen und Karton sammeln ist es nicht getan, und dass verwelkte Blumen auf den Kompost gehören, ist wohl selbstverständlich. Nun, seit einiger Zeit sind wir auch noch bei http://www.kunststoffsammelsack.ch dabei. Unser Kurt 1 kauft jeweils ein Zehnerpack Säcke à 110 Liter bei Bühler Recycling in Thusis, das kostet 38 Franken. Jeder und jede hat Zugang zu unserm Geräteschopf und deponiert dort, was an Plastic im Haushalt so anfällt: Kosmetik- und Putzmittelflaschen, Tragtaschen, Blumentöpfe, Sichtmäppli vom Büro und ja, auch Joghurtbecher und die Umhüllung der Gurken. Kurt sagt: „Das ist ökologisch sinnvoll, denn 80 Prozent des Sammelgutes kann als Granulat für die Herstellung neuer Produkte verwertet werden.“ Die Rückgabe der vollen Säcke ist kostenlos und die wöchentliche Fahrt mit dem Pw nach Thusis verbindet unser umweltbewusster Kurt gleich noch mit andern Botengängen fürs Haus.

Übrigens: Falls Sie uns einmal besuchen und man Ihnen ein Bier offeriert: dieses kommt natürlich aus einer Glasflasche und sicher nicht aus einer Aludose!

Das Wichtige ist in der Nähe

Gestern hatte ich Termin bei meiner Hausärztin, es ging zwar nur um die Besprechung meiner Laborwerte. Dr. Elisabeth Pommé ist erst seit drei Jahren in Bonaduz, und sie hat die Praxis des in Pension gegangenen Arztes Dr. Tschurr übernommen. Ja, die Räumlichkeiten sind nicht gerade elegant, alles wirkt eher wie eine in die Jahre gekommene Wohnung. Dafür ist Dr. Pommé eine Frohnatur, ihre Heiterkeit überträgt sich positiv auf den verklemmten Nacken, das geschwollene Knie oder was immer man als Patientin zu beklagen hat. Was war ich doch schon froh, dass ich bei gesundheitlichen Sorgen quasi nur über die Strasse gehen musste! Egal, ob es um die Grippe-Impfung ging oder um eine Einweisung ins Spital – ich war bei Dr. Pommé immer in fachlich und menschlich guten Händen, was will man mehr.

In der ibc ist aber auch sonst alles Lebenswichtige in der Nähe, etwa der Coiffeur, das Gemeindehaus sowieso und auch die Physiotherapie. Auch eine richtige Apotheke fehlt nicht. Die Post und der Bahnhof sind noch echt bedient, dort befinden sich also nicht nur Automaten, sondern Schalter mit wirklichen netten Menschen dahinter. In andern Gemeinden ist das längst nicht mehr selbstverständlich. Am Dorfplatz gibt’s zudem einen Coop mit fast allem was man so braucht. Dieser Coop und auch der Volg haben lange Öffnungszeiten. Wer was vergessen hat, der kanns mit ein paar Schritten einfach noch besorgen. Bald beginnt ja wieder die Velo-Saison. Fast alle in der ibc fahren gerne Velo, und für den Service – Bremsen, Luft- und Ölkontrolle – gibt’s ja gleich um die Ecke den Bieler-Sport.

So muss man eigentlich nur noch für Spezialanliegen in die Stadt fahren: Augenarzt, Ohrenarzt oder eine neue Frühlingsgarderobe. Aber klar, das eine oder andere vermisse ich schon auch in Bonaduz, etwa einen Kiosk, der auch am Sonntag geöffnet ist und wo ich die Sonntagszeitung vom Tagi kaufen könnte.

Austausch in der Lese-Ecke

Zu den regelmässigen Anlässen in der ibc gehört auch der „Austausch in der Lese-Ecke“, jeweils einmal pro Monat an einem Sonntagabend. Dieser Programmpunkt ist zwar nicht ein Renner wie etwa der Grill-Abend im Sommer, und die Leute kommen nicht in Scharen. Vielmehr ist es eine Abendstunde der eher leisen Töne, wo man sich Infos für Kulturanlässe holt und selber berichten kann, was man gelesen, gesehen oder gehört hat.

Man lässt sich also in der Sitzgruppe bei unserer Bibliothek nieder, es gibt Tee und Guetzli, und zunächst erfreut uns Franziska mit kleinen Geschichten, die sie aus dem „Tagi-Magi“ gefischt hat. Mit ihrem Sinn für Ironie und feinen Humor sorgt sie gleich für entspannte Stimmung. Gestern fand sie, es sei zudem Zeit für ein Frühlingsgedicht und rezitierte ein solches von Conrad Ferdinand Meyer, passend zu den Tulpen in Rosa, die auf dem Tisch standen.

Dann erzählt Jolanda von ihren Eindrücken, die sie im Zwingli-Film gewonnen hatte. Wir erörtern, welches Zürich-Bild uns da vermittelt wird: Pest, Ratten, siedendes Pech und Konkubinatssteuer für Ordensleute – sind wirklich erst fünfhundert Jahre seither vergangen?

Noch viel näher liegt die geheimnisvolle Geschichte „Widerschein“, die in einem Prättigauer Bergtal im letzten Jahrhundert spielt. Barbara stellt uns diese Lektüre vor. Es ist ein neues Buch von Anita Hansemann, das von Naturgewalten, Aberglauben, Hass und Liebe handelt. Dieses Buch, das sie selber gekauft hat, überlässt Barbara nun der Bibliothek, sodass alle von der ibc dazu Zugang haben. Ja, so funktioniert unsere Bibliothek eben: wer ein Buch nicht bei sich selber horten will, stellt es der Bibliothek zur Verfügung. So kann man wählen aus den Bereichen Belletristik, Biographien, Krimis, Reisen, Religion, Sachbücher…

Zum Schluss weise ich noch auf eine Veranstaltung in Chur hin – auf den Internationalen Tag der Frau am 8. März. Ich habe ein Programm besorgt und informiere, was den ganzen Tag in der Stadtbibliothek, in der Postremise und im Theater abgeht. Klar hoffe ich, dass mich dann jemand an die eine oder andere Veranstaltung begleitet, etwa an die „Podiumsdiskussion mit engagierten Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kirche“ mit anschliessendem Stehlunch. Oder an die Feierabendlesung, oder…

Jedenfalls ist dieser kleine, feine „Austausch in der Lese-Ecke“ ein Fundus für geistige Anregungen und für Unternehmungen aller Art.

 

Ein Schnitz vom Kürbis

Schon wieder geht es in der ibc ums Essen? Tatsächlich, gestern wurde unser Kürbis geschlachtet. Was heisst „unser Kürbis?“ Den hat Kurt B. grossgezogen, wie er das jedes Jahr im Gärtli unter seinem Balkon macht. Manchmal gedeiht einer zu grösserem Umfang, manchmal weniger. Auch schon gab es daraus eine Kürbissuppe für alle. Dieses Jahr schritt Lisbeth mit dem grossen Metzgermesser zur Tat, holte das leuchtend-orange Gemüse aus dem Keller und verteilte es in Schnitze. Jede Person, die das wünschte, bekam einen Schnitz für die eigene Küche. Wäre interessant zu erfahren, was daraus entstand: Kürbis-Risotto, -Gratin, -Eintopf?

Ja, wir sind schon ein bisschen eine „verfressene“ Gesellschaft, denn immer wieder gibt es in der ibc  irgend etwas zu feiern. Aber nein, es ist nicht so, dass wir nur an uns selber denken, denn gerade am letzten Samstag haben wir alle zusammen grosszügig eine Non-Profit-Organisation unterstützt. Ich hatte ja zu meiner Geburtstagsparty eingeladen und erwähnt, dass ich keine Geschenke möchte. Weil es mir an nichts fehlt, dachte ich an die Stiftung Schweizer Chirurgen in Äthiopien und fand im „Google“ Dr. Samuel Haupt, Oberarzt am Kantonsspital Chur. Dieser Mediziner kam zu uns nach Bonaduz und berichtete von seinem Einsatz in einem Spital im Nordwesten Äthiopiens. Das war schon eindrücklich, und die Fragerunde wollte fast nicht zu Ende gehen. Dann leerte ich das Körbchen mit den Spendegeldern und durfte dem jungen Arzt über fünfhundert Franken von der ibc überreichen. Da war ich echt stolz auf unsere Genossenschaft!

Drehorgel, Kerzenlicht und Raclette

Dieses Jahr wollten wir in der ibc nur ein einfaches Weihnachtsfest machen. Also keinen Braten an Rotweinsauce mit verschiedenem Gemüse – zu aufwendig, wurde befunden. Gut, dann machen wir doch ein Raclette! Elektrische Öfelchen haben wir genügend, und Kartoffeln sind schnell gekocht. Aber dann lag eine Liste auf dem runden Tisch im Gemeinschaftsraum: Wer macht was? Weil ein Apérogebäck muss ja gleichwohl sein, ein paar Wintersalate wären gut und nachher die Desserts! Schliesslich braucht es Leute zum Tischdecken und um den Geschirrspüler zu füllen.

Hanspeter, das ist der Mann, der einen grossen Fundus an Antiquitäten hat, versprach immerhin, dass er den Christbaum wieder auf den drehbaren Sockel stellen würde, und ausserdem trete er mit der Drehorgel auf. Und dann wurde es trotz Papierservietten und fleischlosem Menü sehr stimmungsvoll! Die Kerzen schimmerten, die Damen erschienen im schmucken Kleid, am Spumante wurde nicht gespart. Dann, mit dem Schmelzen des Käses war endgültig Frohsinn angesagt.

Als Hanspeter dann die Drehorgel mit alten Weihnachtsliedern in Gang setzte, überkam mich doch ein melancholischer Moment. Ich sass ja neben Fredi, der wie ich geschieden ist. „Sag mal Fredi, feiern deine Kinder mit dir und deiner Exfrau zusammen Weihnachten?“ Darauf Fredi: „Nein nein, die fahren mit ihren Kindern separat zu ihrer Mutter und dann zu mir.“ So auch bei mir. Aus lauter Gewissenhaftigkeit reisen die grossen Kinder mit unsern Enkeln im Land herum, um mit uns ein paar Feierstunden zu verbringen. Dem Frieden zuliebe. Fredi hob sein Rotweinglas und stiess mit mir nochmals an. Und ich war wieder einmal richtig froh, dass ich hier in der Gemeinschaft der ibc und nicht mehr allein in meiner früheren Wohnung lebe.

Der Christbaum drehte sich noch eine ganze Weile weiter, unser Drehorgelmann liess keine Schnulze aus, kurz – es war ein wirklich gemütvoll-heiterer Weihnachtsabend.

 

Von Wasser und Wein

Zum Zmittag schon ein Glas Wein?

Diese Woche hatten wir in der ibc wieder eine Tavolata. Josefa und Lisbeth standen für uns an Herd und Backofen und zauberten ein Voressen aus Averser Alpschwein mit Kartoffelgratin , alles Bio. Da ich mich infolge kleinem Talent nicht in die Reihe der Tavolata-Kochpersonen stelle, spendierte ich den Rotwein dazu. Natürlich sollte der auch von einem Bio-Weinbauern stammen.

Also zum Zmittag trinken die in der ibc schon Rotwein? Man hört ja hie und da von alkoholabhängigen Senioren. Tatsächlich haben sich dann alle Anwesenden mit einem Schluck Rotwein zugeprostet, fröhlich war die Stimmung. Aber ich als Weinschenk respektiere schon, wer es bei diesem einen Schluck belässt und dann auf Wasser umstellt. Wir in der ibc sind ja nicht die Dümmsten und hören auf unsere innere Stimme. Wenn der gehaltvolle Rotwein noch so gut zum Alpschwein passt – für einige genügt eben ein halbes Glas.

Beim Dessert – Süssmostcreme mit Löffelbiscuits – haben dann schon alle gerne zugegriffen. Ach, es ist so eine Sache mit Zucker und Schlagrahm! Bei den herrlichen Nachspeisen, die es bei uns gibt, werden wir hin und wieder schwach, und das Fettpölsterchen sieht man ja nicht sofort. So kursieren dann allerlei Diäten im Haus wie etwa die Intervall- oder die 16-Stunden-Diät. Oder man wandert zügig los…

Aber es gibt ein Laster, das in unserer Genossenschaft wirklich nicht verbreitet ist, das Rauchen. Tatsächlich brauchen wir keine Verbotsschilder, denn niemand raucht, nicht einmal Pfeife. Einen Aschenbecher findet man daher nur draussen auf dem Vorplatz, falls mal ein Gast dieser Untugend frönt.

Manchmal knirscht es im Knie und der Rücken tut weh

Beim Lesen meines letzten Blogs könnte der Eindruck entstanden sein, die ibc Bonaduz sei eine muntere Festhütte, immer etwas los, und die Genossenschafter seien pausenlos dabei, neue Events zu planen. Aber das ist etwas übertrieben, denn uns plagt schon manchmal ein Bazillus, wir liegen darnieder wegen allerlei Gebresten oder müssen sogar ins Spital, kurz: es gibt auch Krankheitstage.

Das Übliche in unserer Alterskategorie fällt ja niemandem auf – der eine trägt halt einen Herzschrittmacher, die andere ein Hörgerät und die und jener läuft mit dem Stock zum Coop. Aber dann gibt es diese Stürze, und es trifft die Fittesten, sei es beim Wandern, beim E-Biken oder in der Wohnung. Plötzlich sass Monika mit dem Arm in der Schlinge beim Café im Gemeinschaftsraum und berichtete von einem fatalen Sturz in den Bergen. Plötzlich musste Elisabeth ihre Velotour zum Bodensee im Spital beenden – Fuss- und Handgelenk operieren. Plötzlich bin ich selber in der Sauna ausgerutscht und sollte eine Knie-Vollprothese bekommen.

Aber dann ist man bei uns nicht auf sich alleine gestellt, denn die Gemeinschaft verfolgt den Heilungsprozess. Wie läufts mit der Physiotherapie, wie lange bleibst du in der Reha Andeer? Wieder an Krücken zurück, durfte ich reihherum Einladungen zum Essen annehmen. Ja es scheint so, als ob der gute Geist der ibc die Gesundung beflügeln würde, denn alle freuen sich über die Erstarkten. Toll, wenn man Elisabeth wieder auf dem E-Bike sieht und auch die Wanderfrauen wieder unterwegs sind.

Etwas schwieriger ist es bei Krankheiten, die nicht so sichtbar sind, wie Magenleiden, Migräne, Rückenschmerzen. Die Betroffenen ziehen sich dann oft zurück, und wenn man nicht zum engeren Freundeskreis zählt, weiss man kaum, weswegen. Wie soll man sich verhalten? Ist aktive Anteilnahme erwünscht oder lästig? Möchten die Kranken in Ruhe gelassen werden, oder könnte man schon einmal anklopfen und fragen: wie geht es dir, was kann ich für dich tun?

Eines ist jedenfalls sicher: wenn jemand von uns in Bedrängnis ist, und sei es mitten in der Nacht, dann darf in unserm Haus um Hilfe gerufen werden. Das hat kürzlich schon einmal funktioniert, als die Ambulanz den Kurt abholte. Aber am nächsten Tag kam er aufrechten Ganges und fröhlich wieder zurück – der gute Geist der ibc hat sicherlich geholfen!

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