Ich wollte schon aufgeben…

Ehrlich gesagt, schlägt mir die auf unbestimmte Zeit verlängerte Virus-Gefahr ein bisschen aufs Gemüt. In unserm sonst so geselligen Haus ist es halt immer noch sehr ruhig. Wir mussten zwei auf Ende August verschobene öffentliche Anlässe jetzt definitiv absagen, denn unser Vorstand will keine Ansteckungen riskieren. Bis jetzt ist zum Glück alles in der ibc gut gelaufen…

Aber klar, mit der Maske im öV sieht man nicht so vorteilhaft aus, und der Lippenstift ist für die Katz. Viele tolle Kulturveranstaltungen zwischen Thusis und Chur, die einige von uns so gerne besuchen, sind gestrichen worden. Nur zum Sagen: Mein Enkel Lucas absolviert derzeit die Rekrutenschule in der Kaserne Chur, und in deren Verlauf wäre ein Besuchstag für die Verwandten angesagt – doch Sie können es sich denken, er ist abgesagt worden.

Jetzt hat aber unser Kurt 1 eine Idee in die Sitzungsrunde der Kulturgruppe eingebracht. Damit wieder mehr Farbe, Leben und Spannung in unsere Gemeinschaftsräume einzieht, könnten wir eine hauseigene Ausstellung organisieren. Anstatt fremde Werke sollen Lieblingsstücke aus unsern Wohnungen die Wände zieren. Diese müssen nicht aus eigener Produktion stammen, denn es kann sich durchaus auch um Drucke oder Plakate handeln. Oder besitzt jemand ein schönes Kunstobjekt zum Aufstellen? Alle Grössen und Stilrichtungen wären möglich. Kurt und seine Hilfskräfte werden dann das Aufhängen und Präsentieren übernehmen und am Samstag, 12. September soll die hausinterne Vernissage stattfinden. Eine Gelegenheit, die Mitbewohnenden unserer ibc noch besser kennenzulernen, und ganz sicher gibt es dazu auch einen Apéro.

Ja, ich wollte eigentlich schon mit dem Blog-Schreiben aufhören, aber das Stimmungstief scheint nun doch überwunden. Das Selfie-Foto von meinem Rekruten Lucas, Inf RS 12-2, Kp 1 Zug Ambos, das er mir auf WhatsApp zugestellt hat, schalte ich aber auf jeden Fall noch hier ein.

Ach ist das schön – der ganz normale ibc-Alltag etabliert sich wieder in unserm Haus. Vorbei ist die durch das Corona-Virus erzwungene Ruhe mit den vielen Verhaltensmassnahmen, die es zu beachten galt. Jetzt wagen wir wieder das Zusammensein, ohne dass Lisbeth mit dem Zweimeter-Massstab den Abstand unter uns Senioren prüfen muss. Heute ist schon einmal der erste Grillabend auf der Terrasse angesagt.

Nur unser Garten hat sich eigentlich nie um Corona gekümmert. Hier blüht und duftet es, als ob nie etwas gewesen wäre. Ich weiss nicht, wie viele Sorten Rosen derzeit gerade auf ihrem Höhepunkt sind und uns mit ihren Farben betören. Ein paar Sonnenblumen recken sich auch schon in die Höhe. Dazu spriessen viele Gräser, Kräuter und Wiesenblumen…

Ja, die Vegetation zeigt sich in voller Pracht! Der Monat Juni hat uns ja mit reichlich Regen bedient, und auch die Schafskälte-Tage sind jetzt vorbei. Unsere Gartengruppe wappnet sich daher für allfällige Trockenperioden und legt einen Giessplan für alle auf. Immer je drei Personen sollen sich eine Woche lang achtsam um das Bewässern kümmern. Im Gemeinschaftsraum ist auf einem grossen Ausdruck des Gartenplanes gelb markiert, welche Pflanzen man bewässern soll. So sollen Durststrecken, auch in Berücksichtigung von Wind, Gewitter und Höchsttemperaturen, vermieden werden. Ich bin übernächste Woche mit Anna und Barbara eingeteilt und freue mich, diesen kleinen Dienst an der Natur leisten zu dürfen.

Was die Natur betrifft: da muss auch unser Kirschbaum erwähnt werden. Dieser wurde ja einer fachmännischen Behandlung unterzogen, da er uns letztes Jahr nur wurmbefallene Früchte bescherte. Ja, es wurde gar vom Fällen des Baumes gesprochen. Aber alles hat sich zum Guten gewendet und derzeit können wir reichlich gesunde Kirschen ernten!

Gartenprojekt Hochbeet

Ja es ist immer noch sehr still in der ibc. Die Vorschriften betreffend Corona-Virus werden nach wie vor beachtet und es gibt keine gemeinsamen Anlässe. Wir sind ja schon glücklich, dass in unserm Haus bisher niemand Symptome dieser unheimlichen Lungenkrankheit aufweist.

Aber ganz in Quarantäne sind wir nicht, und so spriessen gleichwohl gute Ideen für unsere Wohngemeinschaft. Es ist nämlich die Gartengruppe, die mit einem Projekt vorstellig wird. Federführend sind Kurt und Maya, die gerne ein Hochbeet auf unserm Grundstück realisieren möchten. Oder bei Interesse gleich mehrere. Die beiden legten also eine mehrseitige Dokumentation im Gemeinschaftsraum auf. Jeder und jede spaziert ja einmal hier vorbei und kann lesen, um was es dabei geht:

So ein Hochbeet besteht aus Lärchenholz und hat den Vorteil, dass man in angenehmer Körperhaltung und fast ohne Schnecken säen und ernten kann. Allerdings braucht es im Innern eine Noppenfolie als Schutz vor Fäulnis und ein Drahtgeflecht gegen Nagetiere. Das Ganze gibt’s mit Bauanleitung für etwa 400 Franken. Ich wünsche den Initianten schon, dass sie mit ihrem Antrag an unsern Vorstand Erfolg haben. Denn vielleicht, wenn wir wieder zur Tavolata einladen können, gibt es schon bald ein Menü mit eigenem Gemüse und Salat.

Bis es soweit ist dürfen wir uns an der Margritenwiese erfreuen. Zwar hat der Rasen enorm unter der Trockenheit gelitten, aber das scheint die Margriten nicht zu stören. Sie wachsen und blühen in grosser Anzahl. Hanspeter war kürzlich mit dem Rasenmäher unterwegs, hat aber rund um die Margriten einen Bogen gemacht, sodass unsere Wiese jetzt ein herrlicher Anblick ist.

Stille Ostern in der ibc

Ach, sind diese Tage und Wochen in unserm Haus still geworden! Nicht nur eine Vernissage und einen Vortrag mussten wir im März absagen, nein, auch die kleinen fröhlichen Apéros sind verschwunden.

Dafür liegen im Gemeinschaftsraum ein halbes Dutzend Blätter auf. Rot oder Gelb unterstrichen kann man die Verhaltensregeln zur Kenntnis nehmen. Was man alles darf und hauptsächlich nicht darf. Die Tische sind zu einem grossen Rechteck zusammen geschoben worden, sodass es einfach ist, Distanz zu wahren. Und am runden Tisch dürfen sich höchstens drei Personen aufs Mal treffen.

Täglich sind gute Feen im Haus unterwegs und desinfizieren sämtliche Türfallen mit „Bonatur“ oder wie diese klare scharfe Flüssigkeit aus der Apotheke heisst. Ja, auch das Treppengeländer wird desinfiziert. Unterdessen ist der Garten wieder möbliert worden, das heisst, unterm Nussbaum könnte man sich wieder an Tisch und Bänken treffen. Wenigstens fünf Personen. Meinen Platz überlasse ich aber gern andern, denn unter freiem Himmel mit diesem Abstand ist die Akustik nicht ideal, trotz Hörgerät vernehme ich nur einzelne Wortfetzen.

Jaja, vieles gibt es im Online-Angebot: Gottesdienste, Gymnastik, Hilfe zum Einkaufen, Bücher, Konzerte… Aber davon hätten wir jetzt eigentlich genug. Zum Glück hat unsere Jolanda den Ostergedanken praktisch umgesetzt: in ihrer (Hexen-)küche hat sie aus Naturprodukten Farben hergestellt und damit Eier gefärbt. Randen, Heidelbeeren, Kurkuma und sogar mit Brennesseln hat sie es versucht. Für jede Person in unserm Haus hat sie dann ein Ei in einen Korb gelegt und diesen in den Gemeinschaftsraum gebracht. Danke, Jolanda!

Mit dem Fernsehen in guter Gesellschaft

Diese Woche kommt die „buonacompagnia ibc“ am Fernsehen, und zwar am Dienstag in der Sendung „Mini Schwiiz – dini Schwiiz“. Ja, ich bin dabei und vertrete quasi das Dorf Bonaduz und natürlich auch unsere Wohngemeinschaft ibc. Vor fast einem Jahr, als ich mich beim Schweizer Fernsehen beworben hatte, musste ich Formulare ausfüllen: was hat Bonaduz zu bieten, was möchtest du vorstellen?

Gar nicht so einfach, denn in unserm Dorf gibt es keine Palazzi oder schöne Riegelbauten, keine Seilbahn, auch kein Museum. Dafür immerhin einen herzigen Bahnhof, der noch Schalterstunden hat. In der Kategorie „Tradition“ hätte ich so gerne die Kirche St. Georg hoch über dem Hinterrhein vorgestellt, wollte doch vom hl. Georg erzählen, der hier mit seinem Pferd über die Schlucht gesetzt hat. Aber nichts da – dieser Schatz aus dem Mittelalter befindet sich auf Gemeindegebiet von Rhäzüns, gehört also nicht den Bonaduzern.

Ein Velotürli zum Lag mit Besuch unserer Bikefachleute bei Bieler Sport musste aber sein. Hier führte Spezialist Marco Caluori vor, wie man bei einem Platten selber den Schlauch ersetzen kann. Dann war Drehpause, Mittagessen für das Kamerateam und die fünf Laienschauspieler in der Pizzeria.

Und die Kulinarik? Gut, dass wir in Bonaduz einen versierten Koch und Metzger haben. Ich war heillos froh, dass Geri Bieler das Thema „Zigeunerspiesse“ übernahm und mit Feuer und Fleisch zum Blockhaus kam. Weil ich ja eher als Obst- und Gemüsefreundin gelte haben mich die lieben Kollegen gleich auf den Arm genommen. Aber ich gab mich als Teilzeitvegetarierin aus und schenkte grosszügig vom Bonaduzer „Vignel“ in die Gläser.

Jetzt sollte ja jedes Dorf etwas Einzigartiges vorstellen. Was hat Bonaduz, was es sonst nirgendwo im Kanton Graubünden gibt? Tatsächlich gibt es etwas, und um diese junge Sparte in der Kategorie „Tradition“ zu zeigen, bekam ich Unterstützung von Andi Weber, Leiter der Bonaduzer Gemeindebetriebe. Es handelt sich nämlich um den Friedwald.

Ja, und dann hat mich die Regie nachhause gefahren, denn die vier andern Teilnehmenden sollten mich als Gastgeberin mitsamt meinen Einfällen bewerten. Ob das gut heraus kam? Für mich egal, denn mir hat es einfach Freude gemacht, Bonaduz als meinen Herzensort vorzustellen. Bonaduz und die Genossenschaft Wohnen 50+.

Wir sind keine Millennials

Bei uns in der Wohngemeinschaft ibc haben ja alle Männer und Frauen ihre besonderen Talente und Fähigkeiten. So gibt es zum Beispiel handwerklich Begabte, die einen Defekt in der Küche im Handumdrehen reparieren können. Wir haben Musiker unter uns oder dann geniale Köchinnen und Bäcker sowie Hunde- und Katzenkenner. Aber was uns bisher fehlt, das ist eine IT-Spezialistin oder ein PC-Fachmann.

Nun ja, wir sind eben keine Millennials, das heisst, wir sind nicht um die Jahrtausendwende geboren, sondern zum Teil sogar noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und wir bekamen eben nicht wie offenbar alle Digital Natives mit der Muttermilch gleich ein Smartphone ins Händchen gedrückt, um das erste Selfie beim Stillen zu schiessen.

Aber gleichwohl sind wir nicht von gestern. Wir können grafisch schöne Flyers gestalten, wenn ein Grillabend oder ein Vortrag ins Haus steht, und unsere Homepage kann sich sehen lassen. Neulich wurde informiert, dass ein neuer Drucker angeschafft worden sei, denn für das alte Gerät gäbe es keine Ersatzteile mehr. Und das neue Modell könne dann viel mehr als das alte, ja, ich erfuhr, dass ich meinen kleinen alten Drucker eigentlich entsorgen könne. Man gab mir einen Code, und ich solle doch einfach mal meinen USB-Sticker hier links am Gerät einstecken.

Tatsächlich erschienen meine Ordner mit den Reisefotos auf dem Display. Erwartungsfroh wählte ich ein Bild aus, die Druckmaschine begann zu brummen und heraus kam ein Blatt – auf dem das Pantheon von Rom winzig klein wie eine Briefmarke zusammengeschrumpft war. Nächster Versuch: anklicken zum Vergrössern des Bildes. Aber jetzt produzierte die Maschine gleich ein A3-Format und nur einen Ausschnitt meiner Aufnahme.

Also Hilfe suchen. Wir mögen ja vielleicht der Grufti-Generation angehören, aber da sind clevere Leute dabei. Zwei davon, der Kurt und der Ruedi, pröbelten einen Abend lang herum, bis sie die Lösung hatten. Es dauert halt etwas länger als bei der Jugend, doch wir schaffen das. In Zukunft gibt es also Dank dem neuen Drucker noch farbenprächtigere, grafisch toll geschaffene Flyer aus unserm Haus.

Bonaduz, das Dorf ohne Schlagzeilen

Nein, in Bonaduz wohnen nicht die Reichen und die Schönen, und die People-Journalisten haben hier so gut wie nichts zu tun. Es gibt halt keine Stars und entsprechend auch keine teuren Modeboutiquen und keine Bar-Szene. Uninteressant für Einbrecher, Räuber und andere Banditen… ein Dorf ohne Schlagzeilen ist Bonaduz.

Gut, im Jahr 1821 gab es diesen Dreifachmord in der Weihermühle draussen. Eine üble Geschichte, die der Schriftsteller Silvio Huonder in einem schaurig-schönen Roman verarbeitet hat („Die Dunkelheit in den Bergen“). Aber seither ist es meines Wissens in und rund um Bonaduz kriminaltechnisch ruhig geblieben.

Das bedeutet aber nicht, dass in Bonaduz Langeweile vorherrscht. Zwar wohnen hier keine Filmstars, aber Prominenz findet man durchaus. Einen dieser Gattung traf ich kürzlich einmal vormittags im Café Merz an. Es war Dr. Paul Jürg Müller, langjähriger ehemaliger Direktor des Kantonalen Naturmuseums in Chur. Früher, in meinem Leben als Journalistin, hatte ich ab und zu Begegnungen mit ihm. Ich sprach ihn also an, erkundigte mich nach seinen Tieren und erfuhr, dass er seit etwa einem Jahr in Bonaduz wohnhaft ist, samt seiner Familie und fünf Eseln.

Es gab nun intern in der Kulturgruppe ibc einen Gedankenaustausch und schliesslich haben wir Dr. Müller höflich angefragt, ob er bei uns im Gemeinschaftsraum mal einen Vortrag halten würde. Ja, sagte er, und zwar würde er gern über die kleinen Säugetiere reden, die man in und rund um Bonaduz antreffen könne. Das seien allerlei Mäuse, auch Biber, Fischotter u. Co. , wozu er schönes Bildmaterial habe.

Wir von der ibc sind natürlich hocherfreut und auch ein wenig stolz, diesen prominenten Gast bei uns begrüssen zu dürfen! Klar ist, dass wir dazu auch die Öffentlichkeit einladen. Und zwar soll der Anlass am Sonntag, 15. März, abends um 19.15 Uhr stattfinden. Der Eintritt ist frei und im Anschluss an den Bildervortrag gibt es einen Apéro. Wir haben auch einen A4- Flyer gestaltet, den wir nächstens im Dorf verteilen (Bahnhof, Coop, Volg, Restaurants), und so glauben wir, dass wir zusammen mit Dr. Müller einen Beitrag leisten, dass es in diesem „Dorf ohne Schlagzeilen“ wirklich nicht langweilig ist. Übrigens: nur echte Promis werden mit einem Übernamen ausgezeichnet – der von unserm Referenten lautet liebevoll „dr Müslimüller“.

Unser einzigartiges Kellerkino und anderes

Das neue Jahr kommt auch in der ibc Bonaduz ins Rollen. Nachdem 2020 mit dem Dreikönigs-Brunch schon so stimmungsvoll begonnen hatte, folgte allerdings ein etwas heikles Thema. Es ging um die Zukunft unseres Kirschbaums, der ja leider nur noch wurmbefallene Früchte produziert. Nun, nach einer ausserordentlichen Versammlung bildete sich eine eigene Kirschbaumgruppe, die sich von Fachleuten Rat holen will. In vernünftigem Gespräch miteinander konnte also dieser Konflikt gelöst werden und der Baum wird nicht gefällt.

Wenn nämlich im Frühjahr wieder einmal der Zügelwagen vor unserer Liegenschaft steht, bedeutet das nicht, dass jemand in Unfrieden ausziehen will. Das Leben nimmt verschiedene Kurven und ja, auch mit ü70 kann einen noch die Liebe befallen. So erlebt es Elisabeth, die bald ausziehen wird, um ihrem Partner ins Prättigau zu folgen. Wir gönnen ihr das Glück, aber werden sie vermissen. Fredi hingegen verlässt uns aus praktischen Gründen: er zieht ins „Cadonau“ nach Chur, weil er zuweilen auch nachts Betreuung benötigt und die ibc das nicht bieten kann. Dies trifft uns natürlich, weil Fredi mit seinem Kontrabass zu unserer Hausmusik zählt und wir ungern auf den Berufsmusiker verzichten. Aber Silvio, unser Präsident, meinte: „Wir fliegen ihn dann ab und zu nach Bonaduz ein.“

Dann haben wir wieder einmal unser Kellerkino aktiviert. Wir könnten ja bequem im Gemeinschaftsraum einen Film ansehen, aber nein, da ist es im Gang des Kellers unten irgendwie spezieller! Zwar müssen die Deckenleuchten, die ja als Bewegungsmelder funktionieren, mit Klebband abgedeckt werden. Und auch durch die Seitenfenster ins Treppenhaus könnte Licht einfallen – also zukleben. Aber dann kommt unser Operateur Ruedi in Fahrt. Er hantiert mit Beamer und Kabeln, stellt Ton und Bild ein und los geht’s. Diese Woche schwelgten wir mit dem Rega-Film „Heldin der Lüfte“ zusammen mit vielen uns bekannten Schauspielern in der Engadiner Winterszene. Egal, wenn es im Keller ein paar Grad kühler ist, denn nachher erwärmt uns ein Schnaps und das gesellige Zusammensitzen, bevor es zur Bettruhe geht.

Advent, Advent…und nur Fondue Chinoise?

An einer Bewohner/innenversammlung wurde das Datum festgelegt: wann sind die meisten von uns ibc-Leuten zum Weihnachtessen anwesend? Heisst: wann fehlen die wenigsten? Weil dies am letzten Sonntag war, lief alles unter dem Titel „Adventsessen“. Und ja, viel gekocht sollte nicht werden. Am besten organisieren wir nur ein Fondue Chinoise.

Aber punkto Logistik hatten wir uns arg getäuscht, denn ein Fondue Chinoise für rund dreissig Personen festlich zu arrangieren, das bedeutete Planung! Es wurden Listen erstellt: wer besorgt was für Fleisch und Gemüse? Haben wir überhaupt genügend Caquelons und Brenner? Ein Salatbuffet muss selbstredend auch sein, dazu die Kerzen und natürlich die weissen Stoff-Tischtücher. Wer rückt die Tische und Stühle zusammen und später wieder auseinander? Wird unsere Hausmusik (Klavier, Akkordeon, Bass) uns wieder beglücken?

Selber freute ich mich wie einst als Kind auf das Christbäumchen, das sich zu zarter Musik im Kreis dreht. Diese Installation ist das Werk von Lisbeth und Hanspeter. Wie schön, dass ich dabei sein durfte, obwohl ich doch nur gerade eine Schüssel Randensalat beigetragen hatte. Aber egal, wie bescheiden die Mithilfe war – hier fühlten sich alle willkommen und strahlten schon beim Apéro.

So nahm der Abend seinen beschwingten Verlauf bis hin zum Dessert mit gebrannter Crème und zweierlei Panettone. Während unsere Francine eine moderne Weihnachtsgeschichte vorlas, tauchte plötzlich noch eine Flasche Vin Santo auf und machte die Runde. Jetzt hatte ich aber genug intus und trollte mich Richtung Wohnung und ins Bett. Erwachte anderntags mit leicht schlechtem Gewissen, denn im Gemeinschaftsraum hatten unsere Heinzelleute längst alle Festspuren beseitigt.

Aber es gibt noch ein Nachspiel! Aus der feinen Bouillon, die übrig blieb, kocht unser Ruedi eine Suppe und lädt noch diese Woche zum Suppenzmittag ein.

 

(Bild: Heiter-gelöste Stimmung am Adventsessen der ibc im Gemeinschaftsraum.)

Die Sache mit dem Kirschbaum

Als ein paar mutige Leute vor fast zehn Jahren die Genossenschaft ibc (inbuonacompagnia) gründeten, da waren sie alle stolz darauf, dass sich auf dem noch zu bebauenden Grundstück ein Nuss- und ein Kirschbaum befand. Was gab das doch für schattenspendende, lauschige Plätze! Und erst die Früchte!

Aber diesen Sommer wurde der Kirschbaum leider zu einem Problem. Noch nie trug er so viele Früchte wie dieses Jahr, und noch nie waren alle von Würmern befallen! Nichts da mit Röteli brauen oder Konfitüre einkochen. So liess man die Kirschen zu Boden fallen, wo sie ziemlich unappetitlich verrotteten. Da waren die Nüsse vom benachbarten Baum doch viel hygienischer in harter Schale eingepackt.

Nun gut, an der letzten BewohnerInnen-Versammlung stand das Thema „Gartensitzplatz-Kirschbaum“ auf der Traktandenliste. Kühn schlug Hanspeter von der Gartengruppe vor, den Kirschbaum zu fällen. Betretenes Schweigen, aber dann wurde diskutiert. Zwar sind wir ja wirklich alle grosse Naturfreunde, doch die matschigen überreifen Kirschen will halt gleichwohl niemand regelmässig entfernen. Ja, wir sind nicht mehr die Jüngsten und die Gartenarbeit ist vielen zu streng.

Also abstimmen! Eindeutig, (aber nicht einstimmig!) war man für das Fällen des alten Baumes. Die nachfolgende Diskussion drehte sich dann um einen Ersatz: Birke, Lärche, Tanne? Aber glücklich mit dem Entscheid, den Kirschbaum zu fällen, war natürlich niemand. „Er hat im Frühling so schön geblüht“, hiess es wehmütig. Nun, noch steht der Baum und lässt seine letzten bunten Blätter fallen. Wer weiss, vielleicht hat ja jemand aus unserer Genossenschaft doch noch eine bessere Idee…

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