Am Lese-Abend geht es nicht nur um „Schall und Rauch“

Es soll ja Deutschlehrer geben, die nur darum Deutschlehrer geworden sind, damit sie dann über ihre gelesenen Bücher mit andern Menschen – also gemeint mit ihrer Klasse – diskutieren können. Heisst: wenn man ein gutes Buch gelesen hat, dann möchte man halt gerne mit Leuten darüber reden, die dieses Buch ebenfalls grad gelesen haben.

Bei uns im Haus Planaterra 11 muss man nicht erst Deutschlehrer werden. Es genügt, einmal monatlich am Lese-Abend mit der Gruppe um Heidi Derungs teilzunehmen. In den Wochen dazwischen allerdings wird schon erwartet, dass man jene Werke liest, die an eben diesem Lese-Abend vorgeschlagen worden sind. Bücher vorschlagen dürfen alle! Es sollen Titel sein, die laut Klappentext unsere Erwartungen an gute Lektüre erfüllen: gerne Neuerscheinungen von bekannten Autoren und Autorinnen. Der Inhalt darf unterhaltsam, sozialkritisch, komisch, historisch feministisch oder sonstwie spannend sein. Punkto schöner Sprache sind die Teilnehmenden allerdings ziemlich anspruchsvoll.

Letzte Woche haben wir uns wieder in unserm Gemeinschaftsraum getroffen – es waren sieben Frauen – und Heidi hatte Wein, Wasser und Gebäck vorbereitet. Wir haben also den „Primitivo“ von Pedro Lenz behandelt. Diese Beurteilung fiel allgemein positiv aus, Veronika schaut, dass alle Anwesenden ihre Meinung äussern können. Neu für mich war, dass das kleine Werk sowohl in Schriftdeutsch wie auch im Berner Dialekt erhältlich ist. Der zweite Roman hiess „Neujahr“ von Juli Zeh. Von dieser deutschen Autorin habe ich kürzlich „Menschen“ gelesen und war jetzt etwas enttäuscht vom unplausiblen Inhalt des Titels „Neujahr“.

Jetzt freue ich mich auf den nächsten Lese-Abend am 27. Juni: Bis dann sollen wir „Rauch und Schall“ von Charles Lewinsky gelesen haben, ein Buch, das Heidi vorgeschlagen hat. Ich habe es heute in der Stadtbibliothek besorgt und bin schon auf Seite 35. Ferner wurde „Radio Sarajewo“ empfohlen, von Tijan Sila, der sein eigenes Leben im Bosnienkrieg 1992 darstellt. „Penelope und die zwölf Mägde“ von Margaret Atword ist vorläufig noch auf der Warteliste.

Die Teilnehmenden des Lese-Abends stammen übrigens aus Chur und Umgebung und sind eigentlich Akademikerinnen. Aber Heidi, unsere Organisatorin, sieht das nicht so eng. Für sie und für alle, die dabei sind, steht die Freude am Lesen im Vordergrund.

Unser Bild: Blick in den Gemeinschaftsraum mit Heidi und unsern Lese-Gästen.

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