„Wer hier ansteht ist auf kostenlose Lebensmittel angewiesen“

Unser genossenschaftliches Leben im Planaterra 11 läuft ja mit vielen Annehmlichkeiten ab. Neben der Freitagabend-Bar mit Musik und warmer Küche gibt es hausintern immer wieder Gelegenheit etwas zu feiern. Gerade letzten Samstag hatten wir im 2. Stock eine tolle Raclette-Party. Alle hatten etwas beigetragen, wobei es meine Aufgabe war für zehn Gäste einen Orangen-Dattelsalat bereit zu stellen.

So weit so gut. Aber an den Samstagen bekommen wir vor unserm Haus noch Zulauf von ganz andern Gästen. Nein, keine Krawallbrüder, denn es sind eher stille Menschen, die sich schon vormittags mit Taschen und Rucksäcken im Freien in eine Reihe stellen. Auf der ganzen Fassadenbreite sind Tische aufgestellt, und etwa ein Dutzend Mitarbeitende (sie tragen gelbe Westen mit Aufschrift „Staff“) verteilen darauf Obst und Gemüse, Packungen mit Reis und Oel, Milchprodukte, Zahnpasta, Seife und andere alltägliche Dinge. Dann geht es ganz unaufgeregt ans kostenlose Verteilen dieser Produkte.

Es handelt sich um den Verein „Essen für alle“, dessen Mitglieder ehrenamtlich dafür sorgen, dass niemand in unserer Stadt Hunger leiden muss. Aus Spendengeldern kaufen sie ein, was gebraucht wird, retten auch Lebensmittel vor dem Verderben und verteilen es „ohne dass man erst aufs Sozialamt muss“, wie Claudia, die Leiterin dieser Aktion, fröhlich erzählt. Es genüge, wenn man einmalig für fünf Franken eine Bezugskarte kaufe. Und es sind viele Menschen, die hier geduldig jeden Samstag wieder kommen. „Wer hier zwei bis drei Stunden ansteht, der hat Unterstützung nötig“, gibt Claudia zu verstehen.

Ja, da geniere ich mich ein wenig, wenn ich an unsern üppigen Raclette-Abend denke. Und ein Weihnachtsessen für die Bewohnenden in unserm Haus ist nächstens auch angesagt. Aber Samstag für Samstag kommen jene Menschen zu uns, die nicht einmal alle Zutaten für eine gewöhnliche Gemüsesuppe kaufen können. Ich bringe es nicht auf die Reihe und habe mal gegoogelt: http://www.essenfueralle.org. Zwei Möglichkeiten gibt es, so lese ich dort: Geld spenden oder aktiv mithelfen an den Samstagen! Sie sei um jede Hilfe froh, sagt Claudia zu mir, und ich solle mich nächsten Samstag einfach um 9 Uhr vor unserm Haus einfinden. Wenigsten das werde ich tun!

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