Plakate und Flyer – es braucht ein Reglement!

Jetzt sind es genau zwei Jahre, seit das Bistro Kulturpunkt eröffnet und die Wohnungen der Genossenschaft Planaterra 11 bezogen worden sind. In dieser Zeit konnten schon viele Vereine und Gruppen gewonnen werden, die in unsern Seminarräumen Anlässe durchführen. Konzerte, Kurse, Apéros, Vorträge finden hier statt und alle wollen dies irgendwie publik machen. Da Internetwege halt doch nicht genügen greift man klassisch auf Plakate und Flyer zurück. Es gibt ja im Haus zwei Anschlagbretter.

Diese Anschlagbretter im Parterre und im zweiten Stockwerk sind inzwischen jedoch buchstäblich zugepflastert mit allen möglichen Zetteln. Kaum findet unser Küchenchef Sebastian noch Platz um seinen wöchentlichen Menüplan aufzuhängen. Da nehmen Kurse für Saatgut, Körperarbeit, Kreistanzen, Klimagespräche und Repaircafé Raum ein, es gibt Anlässe von ausserhalb Chur und solche, deren Datum längst abgelaufen ist. Ja, das Verkünden eines Anlasses in unserm Haus ist offenbar so beliebt, dass selbst Fenster, die Kaffeemaschine und die denkmalgeschützte hölzerne Haustüre schon mit Flyern verklebt worden sind. Gut, weil ich selber schon Flyer für Vernissagen angebracht habe, nehme mich durchaus auch selber an der Nase,

Aber wir haben ja noch die Plakatwand draussen beim Eingang Süd. Da hefte ich immer das schöne A3-Plakat des nächsten Freitagabend-Konzertes auf. Nur ist dieses Sonne und Regen ausgesetzt. Egal ob laminiert oder nicht – je nach Witterung wirkt es dann wie ein Wellenbad. Jetzt hat Jonathan, unser Praktiker, angesagt, er montiere eine Metallwand und sorge für Magnete zum Befestigen. Wie es auch ausgeht – ich finde es braucht für den Umgang mit Flyern und Plakaten im Innen- und Aussenraum ein Reglement, weshalb ich an der nächsten Bewohnendenversammlung einen Antrag einreichen werde. Unser Bild zeigt ja, wie chaotisch so ein Anschlagbrett derzeit aussieht.

Sorry, das ist das falsche Foto.

Lenka setzt auf natürliche Intelligenz

Aus dem Protokoll der letzten BO (das ist die Bewohnendenorganisationsversammlung einmal monatlich) geht unter Punkt 7 und 8 hervor, dass es mit der Dateilhandhabung der drei Webseiten bainviver, Planaterra 11 und Kulturpunkt Probleme gibt. Wie Protokollführer Marco sagt, können die Dateien online nicht bearbeitet werden. Dazu müsste aber die Desktop-App von Nextcloud herunter geladen werden, wozu die Funktion im Browser fehle. Das erklärte Lotte, unsere derzeitige Administratorin. Sie meinte, das Programm müsse selbst angeeignet werden.

Es zeigte sich, dass es wohl für den Support eine Nachfolgelösung geben muss, aber wann dies realisiert werden kann? Ältere Leute wie ich dürfen zum Glück freimütig zugeben, dass sie dieses technische Problem ohnehin nicht ganz verstehen. Aber praktisch geht es eigentlich darum, dass freiwillige Einsätze von Genossenschaftsleuten im Kulturpunkt spontan eingegeben und auch wieder geändert werden können. Also wer am Konzert vom Freitagabend aktiv mithelfen will, zum Beispiel an der Bar oder an der Kasse oder am Ende beim Aufräumen, der müsste dies eben auf Nextcloud eingeben. Sollte etwas dazwischen kommen, dann müsste es geändert werden und natürlich zeitnah im Kulturpunkt ersichtlich sein.

Lenka, unsere neue Gastrochefin, welche die Freiwilligenarbeit koordiniert, hat jetzt zur Entlastung ein ganz anderes System lanciert: Sie hängte im Bistro gut sichtbar eine Wandtafel auf und jede Person kann sich für einen Job mit Kreide eintragen. Alles ist abwaschbar und für jeden und jede ohne Support einsehbar. Anstatt Nextcloud oder sogar KI zu bemühen setzt Lenka einfach auf natürliche Intelligenz!

Die Presse ist da: …seid also gesprächig!

In diesem noch jungen Jahr haben bereits einige Medienleute mit unserm Haus an der Planaterrastrasse 11 Kontakt aufgenommen, um einen Beitrag zu verfassen. So erschien im Churer Magazin eine wunderschöne Reportage über das Bistro Kulturpunkt und das genossenschaftliche Leben allgemein. Kurz darauf in der Bündner Woche ein dreiseitiger Bericht über die für alle offene Werkstatt im Hofgraben, die sich ja auch auf unserm Areal befindet. Ja, das Thema „bezahlbares Wohnen“ ist in aller Munde, und so wundert es nicht, dass sich auch das Rätoromanische Fernsehen bei uns angemeldet hat.

Just am gleichen Tag wie RTR hatten wir auch die nationale Presse da, nämlich einen Journalisten des „Beobachters“. Das brachte nun schon etwas Aufregung ins Haus! Was, wenn uns dieser „Journi“ aus Basel im Sinn einer investigativen Reportage in die Pfanne haut? Hinter vorgehaltener Hand hiess es, man wolle dann schon erst alles vor Druck gegenlesen können. So im Sinn von „aber das dürfen Sie dann nicht schreiben…“. Nun, Richi und ich durften den Herrn Westermann vom Estrich über den Garten und bis zum Kulturpunkt begleiten und Auskunft geben. Wir liessen uns überzeugen, dass der „Beobachter“ eben auch das landesweit aktuelle Thema „genossenschaftliches Wohnen“ aufnimmt und uns als doch ziemlich erfreuliches Beispiel darstellen wird.

Mit mehr technischem und personellem Aufwand war der Einsatz des rätoromanischen Fernsehens verbunden. Regisseurin, Kamerafrau und Tontechniker gruppierten sich hauptsächlich um Susanna, die ja aus dem Engadin stammt und daher die vierte Landessprache im Haus vertritt. Kochen und essen in der Clusterwohnung war angesagt, und abends sollte die Filmcrew unsere monatliche Bewohnendenorganisationsversammlung (BO) begleiten. „Heikle Traktanden bitte erst am Schluss“, hat sie geraten, uns gleichzeitig aber aufgefordert: „Seid bitte gesprächig!“

Das ist uns nicht schlecht gelungen, vor allem auch Dank unserer Umweltfachfrau Christine: Unter „Varia“ gab sie ein Plädoyer für das Waschmittel Sonett, das mit Bio-Pflanzenölseife und ohne Enzyme und Gentechnik Farbiges gründlich waschen könne. Es sei biologisch abbaubar und schone das Wasser ökologisch konsequent. Also wenn möglich fertig mit Ariel, Persil etc. in unserm umweltbewussten Haus! Und ja: Der Beitrag von RTR wird am Sonntag, 9. März am TV ausgestrahlt! Doch zum Schluss dieses Medientages gab es jetzt erst einmal wie so oft bei uns einen Apéro

Die Filmcrew RTR bei uns im Einsatz.

Ein Umtrunk nach dem andern…

Wir sind ja schon eine gesellige Gemeinschaft im Haus an der Planaterrastrasse 11 in Chur. Aber so viele Einladungen wie dieses Jahr im Dezember gab es wohl noch nie. Ein Apéro folgte quasi nach dem andern. Zuerst feierte Brigitte Müller den Beginn ihrer Pensionszeit und gleichzeitig ihren Abschied von Chur mit einem „Umtrunk“ im Gemeinschaftsraum. Doch dafür stand sie ja zuerst lange in der Küche und am Backofen, um uns mit Selbstgebackenem zu verwöhnen. Zwei Tage später folgte im selben Raum die Auflösung der Wichtelaktion, die Christine lanciert hatte. Es gab so viel zu lachen, dass dieses anonyme Schenken nächstes Jahr wieder holt werden soll, wie Herr W. Ichtel meinte.

Am selben Abend (oder war es am Tag darauf, ich weiss gar nicht mehr so genau…) hat unser Team vom Kulturpunkt zum Umtrunk eingeladen. Lenka, die Nachfolgerin von Gastronom Memet, der seine Tätigkeit nach Zürich verlegt hatte, gab ihren Einstand. Und wie Lenka brillieren konnte! Die aus Tschechien stammende 39 jährige Gastrofachfrau, die vorher im „Sommerau“ tätig war, präsentierte grossartige Apéroplatten und schenkte gleichzeitig mit ihrer warmen Ausstrahlung eine herzliche Stimmung. Mit dem jetzigen Frauenteam (Rita, Lenka; Priska, Anina) kann unser Restaurant zuversichtlich ins neue Jahr starten.

Doch es ging ja gleich weiter mit den Festivitäten: Ebenfalls im Kulturpunkt gab es am vierten Adventssonntag „Perlen der Kammermusik“ zu hören. Es trat ein Trio mit Klavier, Klarinette und Viola auf, das Nunzia aus Anlass ihres Geburtstages eingeladen hatte. So etwas war neu in unserm Programm – sollten denn auch Gäste von auswärts mitten am Nachmittag zu uns kommen? Doch Sorgen waren unbegründet, denn es zeigte sich, dass ein solches Konzertangebot von vielen geschätzt wird. Ganz abgesehen vom Kuchenbuffet und der Kürbissuppe nach dem Konzert.

Jetzt kehrt aber Ruhe im Haus ein! Denkste, denn natürlich tritt am Silvesterabend, wie ich so nebenbei gehört habe, Jonathan mit der Feuerschale im Freien in Aktion. Und einen Neujahrsapéro gibt es irgendwann im Januar 2025 dann natürlich auch.

Unser Bild: Gastrofachfrau Lenka gab ihren Einstand.

An der Adventsbeleuchtung scheiden sich die Geister!

Gerade hat der Kulturpunkt einen animierenden Newsletter auf Gäste und Mitglieder losgelassen: „Erlebe den Weihnachtszauber, gediegene Weihnachtsessen im Kulturpunkt“. Und es stimmt: im Innern des Restaurants ist wirklich alles schön geschmückt, die Tische mit echtem Tannengrün und roten Bändern dekoriert. Aber draussen auf unserm grossen Platz rund um den Brunnen?

Also in der Ecke beim Eingang steht so ein merkwürdiges Holzgerippe, das wohl mit viel Phantasie als Christbäumchen durchgehen könnte (siehe Bild). Es stammt noch von Memet, der inzwischen nach Oerlikon zu einer neuen Arbeitsstelle gezogen ist. Das kleine nackte Bäumchen lehnt an die Dachrinne und daneben wartet die Schneeschaufel vorläufig vergebens auf ihren Einsatz. Nicht wirklich stimmungsvoll!

Doch wie unsern grossen Platz weihnachtlich gestalten? Nun, an der Bewohnendenversammlung vom letzten Dienstag wurde das Thema erfolglos diskutiert: die einen möchten nichts von diesem übertriebenen Dekorationsrummel wie in der Stadt wissen und haben es lieber geheimnisvoll dämmrig. Andere wollen die dunkelste Zeit im Jahr doch mit mehr Licht erhellen. Also an der Adventsbeleuchtung scheiden sich die Geister! Ich selber sähe schon gerne einen schönen grossen Tannenbaum, den man ja in den jetzt leeren Brunnentrog stellen könnte. Aber woher nehmen und wer soll den Baum samt LED-Lämpchen besorgen, montieren und dann im Januar wieder wegräumen? Tatsächlich haben wir alle eben sonst schon genug zu tun, die Jungen von der WG studieren und arbeiten, die Alten sind bereits an vielen Projekten engagiert. Da kommt mir die Idee: Fragen darf man ja – vielleicht hilft uns die Stadt nächstes Jahr?

Unsere Weihnachtsdekoration vor dem Eingang.

Bei uns zieht jetzt ein Idee-Artist ein

Im Februar 2023 sind die Wohnungen an der Planaterrastrasse 11 in Chur erstmals bezogen worden. Und vor wenigen Wochen gab es den ersten Auszug: Christoph kündigte und zog mit seiner Partnerin Ilaria in einen andern Stadtteil von Chur. Es wurde also ein neuer Mieter für die Clusterwohnung im 3. Stock gesucht, und dieser sollte zu den andern Cluster-Leuten passen, also sich gut ins Küchen- und Livingteam integrieren.

Jetzt konnte ich diesen Neuen, der gerade beim Einräumen der Wohnung war, antreffen. Franz Müller heisst er, ein Name, der noch nichts Besonderes darstellt. Auch, dass er aus dem Raum Luzern stammt, ist nicht weiter speziell. Mit Jahrgang 1957 passt er aber schon einmal ins Mittelfeld der hier Wohnenden. Was jedoch seine berufliche Laufbahn betrifft – da beginnt das Staunen: bei uns zieht ja ein Idee-Artist ein!

Franz Müller war einst Hochbauzeichner und hat sich bald der Kunst zugewendet, aber ziemlich unkonventionell. Er habe Störkunst gemacht, sei in Dörfern und Städten als Gedankengänger und Ideenspinner unterwegs gewesen – eben ein Idee-Artist. Ja, auf Wikipedia finde man noch mehr über ihn: Dass er in Paris war, etliche Preise gewonnen habe und wie er seine Ideen umgesetzt habe.

Oft habe er in WGs gelebt, nun freue er sich auf genossenschaftliches Wohnen und schaue, wie er sich hier einbringen könne. Also denn: herzlich willkommen lieber Franz und auf einen guten Start unter unserm Dach!

Neuer Hausbewohner: Franz Müller

Als Memet den Sandwich-Kurier erfand

Dass Memet vom Kulturpunkt ein erfindungsreicher Gastronom ist, das wissen wir ja schon. Aber im Frühsommer erklärte er plötzlich, man beliefere jetzt dann zwei Schulhäuser regelmässig mit Sandwiches. Es gehe nämlich darum, dass Primarschulkinder die Mittagszeit sinnvoll verbringen sollen. Was heisst, anstatt nur herumhängen und Chips oder ähnliches futtern gehe es um Bewegung und einen gesunden Snack. Wer also mittags nicht zuhause erwartet werde, für den gebe es ein moderates Turnprogramm mit einem Sandwich als Verpflegung.

Memet liess seine Beziehungen spielen und versicherte, er könne die Schulhäuser Barblan und Montalin jeweils am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag mit Sandwiches beliefern. Diese bestehen aus einem Vollkornbrötli, das von Prodega geliefert und dann aufgebacken wird. Es kommt ein hausgemachter Tartaraufstrich dazwischen, dann Käse oder Poulet, ein Salatblatt und Tomate. Unser Küchenchef Sebastian stellt alles mit einem Apfel und einer kleinen Süssigkeit in einem Säckli zusammen. Doch dann geht es um Logistik!

Rentiert das oder nicht? Die beiden Schulhäuser Barblan und Montalin befinden sich nicht gerade auf Gehdistanz. Aber Memet wurde natürlich in unserer Genossenschaft fündig und engagierte ehrenamtliche Kuriere. Eine davon bin ich, und ich hole also um 10.30 Uhr die bereitgestellten Päckli ab, marschiere zum Bus Nr. 3 und fahre bis Haltestelle Sardona. Um einige Winkel herum und ich kann die Brötli auf einen Mittagstisch des Schulhauses Barblan legen. Wieder zurück zum Bus, quer durch die Stadt zum Quaderschulhaus und an die Ecke Montalin, wo bald Fatima auf dem Velo eintrifft. Sie ist Sportlehrerin und für das mittägliche Bewegungsprogramm der Kinder zuständig. Und sie weiss genau, wer ein vegetarisches Brötli will oder sonst eine Allergie hat, die berücksichtigt werden muss!

Aber jetzt ist mein Kurierdienst beendigt. Inzwischen bin ich selber hungrig geworden und freue mich auf den Zmittag im Kulturpunkt. Etwa ein Dutzend Brötli werden jeweils ausgetragen, und laut Memet rentiert das dank unsern Kurierleuten durchaus, ja es sollen zukünftig sogar noch weitere Schulhäuser dazu kommen!

Ein gesunder Snack, bereitgestellt vom Kulturpunkt.

Es gibt zwei neue Vierbeiner im Haus

An der kürzlichen sogenannten BO (gemeint ist die monatliche Bewohnendenversammlung) gab es unverhofft ein neues Traktandum: Katzen! Nun, es leben ja bereits die zwei Katzen von Martina im Haus. Aber jetzt haben sich offensichtlich in einer andern Wohnung zwei neue Jungtiere nieder gelassen, und es musste darüber verhandelt werden, wie man mit dieser Situation jetzt und zukünftig umgehen soll.

Hier der Steckbrief zuerst: Sie heissen Chuanito und Pepe, sind männliche Geschwister und etwa sieben Monate alt. Es handelt sich um Rassekatzen aus Spanien! Ich war zu Besuch in der WG unserer jungen Leute (Orlando, Claudio, Nils und Marco leben dort) und habe erfahren, wie diese doch teuren Mietzen zuoberst in den dritten Stock des Hauses gekommen sind: Orlando sagt, dass es ausgesetzte Tiere seien, für die im Internet nach neuen Besitzern gesucht worden sei. Somit sei es hauptsächlich noch um den Kauf von Zubehör wie Kistli und Kratzbaum gegangen. Und ja, sie seien geimpft und kastriert! Inzwischen – davon konnte ich mir gleich selber ein Bild machen – fühlen sich die Schmeichelkätzchen bei den jungen Leuten sehr wohl, lassen sich streicheln und warten aufs Futter.

Doch es gibt ein kleines Problem, auf das unsere Gartenfrau Christine hingewiesen hat: „Wollen wir in der Umgebung unseres Hauses mehr Kleintiere wie Eidechsen, Schmetterlinge, Heugümper haben, oder soll es eine Spielwiese für Katzen sein?“ Man habe ja bewusst auf Biodiversität mit Wildhecken gesetzt, um bedrohten Lebewesen Schlupflöcher zu bieten. Ja, man habe finanzielle Unterstützung für eben diesen Schutzbereich bekommen.

Somit gilt für alle Katzen im Haus: Ausgang im Garten nur in Begleitung eines Katzenhalters und vorläufig nur auf Zusehen hin. Damit können die WG-Bewohner und ihre Vierbeiner leben, und was etwa dann passiert, wenn plötzlich noch ein Hund bei uns einzieht, muss derzeit ja noch niemand kümmern.

Unser Bild: Das sind die zwei jüngsten Bewohner an der Planaterrastrasse 11 in Chur.

Einmal bei Priska Modell sitzen…

Am 1. Oktober findet der „internationale Tag der älteren Menschen“ statt. Bei Pro Senectute in Chur hat man sich dazu eine besondere Aktion ausgedacht. Leute, die sonst „im Unruhestand“ und oft den ganzen Tag aktiv sind sollen einmal während zwei Stunden ruhig sitzen und sich malen lassen. Und zwar von unserer Priska Inauen, die wir in der Genossenschaft und im Kulturpunkt als Freundin und Mitarbeiterin in diversen Sparten kennen.

Priska ist freischaffende Illustratorin mit wissenschaftlichem Hintergrund. Aber bei dieser Aktion geht es nicht um fotografisch exakte Details, denn die Künstlerin will vielmehr den Ausdruck eines Gesichts festhalten. Ganz bewusst das Gesicht von älteren Menschen!

Es hiess, die Aktion, die nur wenige Tage dauerte, sei längst ausgebucht. Das zu hören freute mich, weil ich mich so sicher nicht zu einer Sitzung anmelden musste. Sollen doch andere…. Aber beim Zmittag im Kulturpunkt sprach mich Priska an – es habe sich jemand kurzfristig abgemeldet und um16 Uhr wäre ein Termin frei.

Sie hat sich bei Pro Senectute ein kleines Atelier eingerichtet, mit Staffelei und einer Palette voll Ölfarbe zum Mischen. Ich soll einfach locker zum Fenster hinausschauen. Pause nach einer Stunde. Ein Blick auf das 30×30 Zentimeter grosse Bild zeigt noch Fürchterliches: Augen und Mundpartie sind halt noch nicht ausgearbeitet. Aber kurz und gut: Am Ende der zweistündigen Session gefällt mir das Werk nicht schlecht.

Jetzt gibt es ab Dienstag, 1.Oktober bis 29. November in den Räumen von Pro Senectute eine Ausstellung. Es werden all die Köpfe von älteren Männern und Frauen gezeigt, die Priska in den letzten Tagen porträtiert hat. Es lohnt sich schon zu kommen, nicht nur, weil man mich hier einmal in Öl gemalt sehen kann!

In zwei Stunden fertigt Priska ein gelungenes Portrãt.

Wie lebt man bei uns im Rollstuhl?

Im Prinzip wollen wir ja an der Planaterrastrasse 11 ein behindertengerechtes Haus führen. Von Anfang an blieben zum Beispiel die Zugänge zu Bad und Dusche in den Wohnungen, zur Waschküche und sogar zum Garten schwellenfrei, und auch der Eingang zum Restaurant Kulturpunkt ist ebenerdig. Aber gleichwohl ist es nicht selbstverständlich, dass sich bei uns Menschen mit einer Behinderung wohl fühlen. Nach einem Gespräch mit zwei Rollstuhlfahrerinnen ist klar: bauliche Verbesserungen sind angesagt.

Seit dem Frühjahr arbeitet Siri Anesini (33) als juristische Mitarbeiterin beim Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit im Nachbargebäude im Hofgraben. Aber es gebe dort keine Mensa, nur eine Mikrowelle und einen Kaffeeautomaten. Also habe sie sich umgeschaut! Die vegetarische Küche im Kulturpunkt passe ihr gut, Küchenchef Sebastian koche ja sehr kreativ. Ja, sie sei auch schon mit Kolleginnen oder ihren Eltern hier gewesen. Am langen Tisch unterhält sich Siri gern mit den andern Gästen. Toilette? Ach, die benutze sie am Arbeitsplatz, aber gut zu wissen, dass diese hier gross genug wäre. Und der Zugang zum Haus, wenn es einmal regnet? Hoppla, da ist Siri weniger zufrieden: „Pfützen und Nässe – das ist mit dem Rollstuhl unangenehm.“ Sie hätte gern einen asphaltierten Platz oder einen mit grossen Platten ausgelegt. „Jedoch keine Pflastersteine“, sagt sie und wendet ihr Gefährt mit einem Lächeln in Richtung Arbeitsort.

Auch Gabriela Kirsch (60) ist auf den Rollstuhl angewiesen. Die gebürtige Berlinerin ist Multiple Sklerose-Patientin und wohnt seit Frühjahr 2023 im Haus Planaterrastrasse 11. Man sieht Gabi nicht so oft am Mittagstisch, es sei denn, ein Gericht aus ihrer Lieblingsküche Indien stehe auf dem Menüplan. Gabi benötigt rund um die Uhr eine Betreuung. Derzeit ist es Daira aus Litauen, die mit Gabi ab und zu auch Spazierfahrten macht. Aber da ist das Duo ebenfalls auf bauliche Erleichterungen angewiesen. Gabi erwähnt die löchrige, staubige Zufahrt zum Haus: „Da bleiben die Räder des Rollstuhls stecken und werden voll Schmutz!“ Und dann die Haustüre: diese sollte sich automatisch öffnen, der IV-Beitrag sei längst gesprochen, doch nichts passiere. Richtig gut funktioniere einzig der Lift.

Fazit: Wer mit einem Rollstuhl, einem Rollator oder mit Krücken oder Kinderwagen in unser Haus kommt, der findet noch nicht optimale Verhältnisse vor. Für unsere Genossenschaft und für den Kulturpunkt gibt es also noch einiges zu tun!

Bildlegende:

Siri Anesini steuert ihren Rollstuhl öfters zum Mittagessen in den Kulturpunkt.

Siri und Gabriela – sie wünschen sich bauliche Verbesserungen.

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