Von Nusstorten und Menschenknochen

Was an einem gewöhnlichen Wochenende so alles in unserm Haus an der Planaterrastrasse 11 so läuft! An sich hat ja das Restaurant Kulturpunkt dann geschlossen. Aber die Küche und die Lokale im Erdgeschoss sind dann häufig vermietet. So richtete sich der Verein „Slow food“ fast den ganzen Sonntag ein. Sechs Teilnehmende unter der Leitung von unserer Priska befassten sich mit dem authentischen Backen von Nusstorten. Das bedeutete, dass alle Zutaten aus unserer Region stammten und selbstredend „Bio“ waren: Butter, Mehl, Eier, Honig und die Baumnüsse.

Mit dem Knacken der Nüsse – sie stammten von Flavia Brüesch auf der andern Seite der Plessur – ging es los. Aber unterdessen tat sich fast gleichzeitig etwas Sonderbares auf unserm Gartengelände. Was die Halde doch so preisgibt, wenn der Boden im Frühjahr wieder mit der Hacke bearbeitet wird! Die beiden Gartenleute Martina und Rienk staunten nicht schlecht, als sie plötzlich Knochen entdeckten. Martina: „Da kam neben Menschenknochen auch ein Gebiss zum Vorschein!“ Was tun? Martina und Rienk wendeten sich an den Archäologischen Dienst des Kantons, und diese Stelle schickte auch sofort einen Forensiker vorbei. Es soll jetzt abgeklärt werden, woher und aus welcher Zeit dieser Fund stammt. Handelt es sich etwa um die sterblichen Überreste von alten Römern oder von Soldaten aus dem Suworov-Heer? Klar ist, dass unsere Halde noch so manches Geheimnis im Boden verbergen kann.

Unterdessen waren die Nusstorten fertig gebacken und in feine Stücke geschnitten. Es stellte sich ein interessiertes Publikum zur Degustation ein. Am langen Tisch wurde gekostet, verglichen, Café getrunken und Punkte verteilt. Geschmack, Textur, Aussehen musste geprüft werden. Für mich als Laie wäre es schwierig gewesen, überhaupt Unterschiede festzustellen. Aber so bunt ist eben das Leben in und um unser Haus. Da wäre allerdings noch die andere Geschichte mit der eingemieteten Geburtstagsparty vom Samstagabend: Autos waren wieder einmal falsch parkiert und eine nicht gerade kleine Schar von Teenies tummelte sich doch tatsächlich auf dem Dach unseres Velohauses. Aber das ist wieder eine andere Geschichte!

Unser Bild: Martina und Rienk untersuchen den Haldenboden.

Tier- oder Menschenknochen?

Das Restaurant betreue ich gerne

Jede Person in unserm Haus übernimmt ja irgendwelche Aufgaben, die der Allgemeinheit dienen. Da gibt es ganz fleissige Leute, aber auch eher bequeme. Zu den Letzeren zähle ich mich auch, denn ich betreue jeweils am Freitag Nachmittag unser Restaurant Kulturpunkt. Es ist dann sehr ruhig, es läuft nicht viel und ich kann Zeitung lesen oder Sudoku machen.

Also gestern trudeln nach Schulschluss zwei Kanti-Mädchen ein, bestellen Chai-Tee, schlagen ihr Laptop auf und besprechen Hausaufgaben. Gleichzeitig laden sie ihr Handy an unserm Stromnetz auf – geht doch ganz bequem! Dann erscheint ein Herr mit Mappe, nimmt eine Gazosa und sagt, er möchte für die GV seines Vereins eine Reservation machen. Ich zeige ihm unsere zwei Säle und er findet den kleineren Seminarraum geeignet. Ich notiere alle Daten und versichere, dass unser Gastrochef Memet ihm eine Bestätigung zustellen wird.

Es kommen zwei mittelalterliche Damen, die sich viel zu erzählen haben. Sie bestellen Kaffee und ich bin heilfroh, dass es nicht Capuccino sein soll, denn mit dem Milchaufschäumen an der Kaffeemaschine bin ich nicht so geübt. Alsdann ist es wieder ruhig, bald werde ich ja abgelöst. Doch dann kommt eine junge Frau schüchtern auf mich zu. Sie spricht sehr leise und ich verstehe nur „Kuchen“ und „kein Geld“. Hoppla, dieser Mensch hat Hunger und da mache ich jetzt kein Büro auf. In der Küche hats ja noch Gemüsewähe vom Mittag übrig. Davon serviere ich ihr ein grosses Stück zusammen mit einem heissen Tee.

Dann steht ja schon Ignaz unter der Türe, der die Kasse übernimmt. Memet kommt von seiner „Zimmerstunde“ zurück und es ist fertig mit Ruhe. Denn jetzt wird das Konzert für heute Abend technisch eingerichtet, was ein ziemlicher Aufwand ist. Die Fleissigen sind in Aktion und ich darf in den Feierabend gehen……

Bild: Blick in unser Restaurant Kulturpunkt am Nachmittag.

Wir sind noch in der Umstellungsphase

Sagte ich es doch: nach den Festtagen geht es in unserm Haus mit Arbeit weiter! Zunächst hatten wir ja die monatliche BO (diese Abkürzung steht im weitesten Sinn für Bewohnendenversammlung). Also da ging es auch um Rauchmelder, wie man sie an der Decke in jeder Wohnung montieren sollte. Auch im Dachgeschoss, im Gästezimmer und bei den Hauseingängen? Nicht ganz zu Unrecht fragt Jonathan, ob man den Alarmton denn dort auch hören würde. Oder besser einmal die städtische Feuerwehr zu einer Info einladen?

Auch etwas unklar ist, wer schliesslich die Materialkosten für den Ausbau unseres kleinen Kellers bezahlt. Jonathan hat dort prächtige Regale eingebaut und die Rechnung der Geschäftsstelle überreicht. Bekam aber nur ein abschlägiges E-Mail als Antwort. Unser Rienk in seinem gemütlichen Holländerdeutsch versucht zu beschwichtigen: man sei eben noch in der Umstellungsphase von Verantwortung zwischen Vorstand, Geschäftsstelle, Baukommission, wer was wann wofür zuständig sei, welche Gruppe Kompetenzen und auch Budget habe, das alles werde weiter entwickelt. Nur gut, dass Jonathan Geduld zeigt…

Der andere grössere Keller gleich daneben ist inzwischen sauber ausgebaut. Hier sind Velos, Skis, Snowboards, Skischuhe, Kinderwagenanhänger versorgt. Aber etwas vertrauensselig wie wir alle sind, wird die Türe halt nicht immer geschlossen. Jedenfalls hatte Rienk dort kürzlich eine merkwürdige Begegnung: „..es könnten eventuell Sachen entfremdet werden!“ Heisst: wir sind angehalten wirklich immer alle Türen und Tore abzuschliessen!

Ja, vor ziemlich genau einem Jahr sind wir alle eingezogen in unsere Wohnungen an der Planaterrastrasse 11. Und so gibt es im neuen Jahr eben immer noch viel zu tun. Alle möglichen Gruppen machen Sitzungen und Verbesserungen. Aber eine Sache hat heute gut funktioniert, und das war meine kleine Geburtstagseinladung im Kulturpunkt. Wo sonst gibt es denn eine Beiz, in der man den eigenen Schnaps für den Café selber mitbringen darf?

Unser Bild: Blick in den grosszügigen Velokeller.

Ein Besuch in der Remise

So jetzt sind die Feste vorbei – Weihnachten und Neujahr brauchte niemand in unserm Haus allein zu sein. Wer wollte und nicht anderswo „gebucht“ war, konnte wunderbare Gesellschaft finden – Dank an alle, die das ermöglicht haben!

Aber jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, was bedeutet, dass diverse Arbeiten aufgenommen werden. In der Remise im oberen Stock ist Licht. Schon lange nahm es mich wunder, was denn dort eigentlich gemacht wird. Diese Werkstatt ist ja das Reich der Mitglieder vom Verein Werkstatt im Hofgraben, welcher die Räumlichkeiten von der Genossenschaft bainviver-chur gemietet hat. Kürzlich durfte ich die Treppe hinauf und Hansjörg – sehr aktives Mitglied dieser Gruppe – dort besuchen. Die Remise hat ein Schrägdach und lehnt sich rückseitig an die historische Stadtmauer an. Dass sie auf unserm Grundstück steht kommt allen handwerklich Begabten entgegen, denn es entstand hier eine gut ausgerüstete Schreinerwerkstatt.

Ich staune, was es hier auf sechzig Quadratmetern alles an Geräten, Maschinen sowie an Schrauben und Nägeln aller Art gibt. Zum Beispiel eine Tischkreissäge mit 480-Volt-Motor, eine kleine Säge fürs „Laubsägeln“, einen Bohrer für Holz und Metall. Auch eine Hobelbank und selbst eine Kaffeemaschine fehlen nicht. „Hier kann man auch töpfern oder malen,“ betont Hansjörg, und die Remise werde für eine kleine Miete auch den Kunstschaffenden des Hauses sowie „Auswärtigen“ überlassen.

Hansjörg selbst widmet sich jetzt wieder dem Bau einer riesigen Eisenbahnanlage – einzelne Gleisanlagen kann man schon bewundern. Denn bis zum Wintereinbruch war ja die Gestaltung unseres Haldengartens Hauptthema der Werkstatt.: hier wurden viele lange Bretter auf Mass geschnitten. Nächstens, so verrät Hansjörg, soll es dann eine Führung geben, damit wirklich alle Genossenschafts-Mitglieder Einblick in das Innenleben dieser grossartigen Remise bekommen. Ein Foto sei hier schon einmal angefügt.

Ein Blick in die Werkstatt.

Ziemlich viel los in unserm Haus

Der Dezember verläuft in unserm Haus bis jetzt ja sehr geschäftig. Immer ist irgendwo etwas los. Zum Beispiel sollten vor Jahresende noch die Freitagabend-Konzerte neu aufgegleist werden. Dann will uns der famose Kulturpunkt-Küchenchef Jinod verlassen und hat doch wirklich einen Abschieds-Apéro verdient. Gestern hatten wir die längst angesetzte Bewohnende-Versammlung, was allerdings nicht so aufregend war. Es ging unter anderem auch um Regale im Keller und für das WC-Papier in der Gästezimmer-Toilette. Gleich im Anschluss dann das vom Kulturpunkt offerierte Weihnachtsessen – schön wars!

Weniger schön fand ich den Tod von unserer Akazie auf dem Vorplatz. Der viele Neuschnee hat den alten Baum einfach umgeworfen. So schade, weil dieser Baum stand schon Jahre vor unserm Hausbezug dort und hatte ja alle Bauarbeiten überstanden. An unsern Freiluft-Abendkonzerten sassen die Gäste gerne unter seinem Laubwerk. Jetzt musste Thomas Stamm und Astwerk kleinhauen und entsorgen.

Aber endlich haben meine beiden elektrisch strahlenden Sterne im Haldengarten einen Platz gefunden: Hansörg hat sie dort samt einer Uhr an den Strom angeschlossen. Sonst gibt es auf unserm Areal im Gegensatz zu den Altstadtplätzen keine Weihnachtsbeleuchtung. Wer allerdings ins Restaurant geht kann sich an den von Heidi gestalteten natürlichen Pflanzendekorationen erfreuen. Einen ruhigen Pol im geschäftigen Adventstreiben hat Susanna geschaffen. Sie lud am Wochenende zum Kerzenziehen ein. Ach, wie lange ist es her, seit man das mal im Schulhaus mit den Kindern gemacht hat! Tatsächlich hat Susanna den Wachsofen samt Zubehör aus ihrer früheren beruflichen Tätigkeit in unsere Genossenschaft gerettet. Es tat gut, den Docht ganz ruhig und fast meditativ immer wieder ins fein duftende Bienenwachs zu tauchen!

Mal schauen, was die bevorstehenden Adventswochen sonst noch an weihnachtlicher Stimmung für uns bereit halten. Am Freitag dieser Woche könnte es ja um einen Hexenkessel gehen! Jedenfalls nennt sich das Duo, das dann bei uns auftritt „Dr Sibti Himmel und a Häxakessel“. Ziemlich frech, das mit den Hexen im Advent!

Heute für einmal ein etwas melancholisches Bild – der von der Schneelast umgefallene Baum.

„Wer hier ansteht ist auf kostenlose Lebensmittel angewiesen“

Unser genossenschaftliches Leben im Planaterra 11 läuft ja mit vielen Annehmlichkeiten ab. Neben der Freitagabend-Bar mit Musik und warmer Küche gibt es hausintern immer wieder Gelegenheit etwas zu feiern. Gerade letzten Samstag hatten wir im 2. Stock eine tolle Raclette-Party. Alle hatten etwas beigetragen, wobei es meine Aufgabe war für zehn Gäste einen Orangen-Dattelsalat bereit zu stellen.

So weit so gut. Aber an den Samstagen bekommen wir vor unserm Haus noch Zulauf von ganz andern Gästen. Nein, keine Krawallbrüder, denn es sind eher stille Menschen, die sich schon vormittags mit Taschen und Rucksäcken im Freien in eine Reihe stellen. Auf der ganzen Fassadenbreite sind Tische aufgestellt, und etwa ein Dutzend Mitarbeitende (sie tragen gelbe Westen mit Aufschrift „Staff“) verteilen darauf Obst und Gemüse, Packungen mit Reis und Oel, Milchprodukte, Zahnpasta, Seife und andere alltägliche Dinge. Dann geht es ganz unaufgeregt ans kostenlose Verteilen dieser Produkte.

Es handelt sich um den Verein „Essen für alle“, dessen Mitglieder ehrenamtlich dafür sorgen, dass niemand in unserer Stadt Hunger leiden muss. Aus Spendengeldern kaufen sie ein, was gebraucht wird, retten auch Lebensmittel vor dem Verderben und verteilen es „ohne dass man erst aufs Sozialamt muss“, wie Claudia, die Leiterin dieser Aktion, fröhlich erzählt. Es genüge, wenn man einmalig für fünf Franken eine Bezugskarte kaufe. Und es sind viele Menschen, die hier geduldig jeden Samstag wieder kommen. „Wer hier zwei bis drei Stunden ansteht, der hat Unterstützung nötig“, gibt Claudia zu verstehen.

Ja, da geniere ich mich ein wenig, wenn ich an unsern üppigen Raclette-Abend denke. Und ein Weihnachtsessen für die Bewohnenden in unserm Haus ist nächstens auch angesagt. Aber Samstag für Samstag kommen jene Menschen zu uns, die nicht einmal alle Zutaten für eine gewöhnliche Gemüsesuppe kaufen können. Ich bringe es nicht auf die Reihe und habe mal gegoogelt: http://www.essenfueralle.org. Zwei Möglichkeiten gibt es, so lese ich dort: Geld spenden oder aktiv mithelfen an den Samstagen! Sie sei um jede Hilfe froh, sagt Claudia zu mir, und ich solle mich nächsten Samstag einfach um 9 Uhr vor unserm Haus einfinden. Wenigsten das werde ich tun!

Jinod, Chef Küche, kann mehr als Gerstensuppe

Alle kennen den immer gut gelaunten Chef in der Küche des Kulturpunkts. Jinod Murugiah (32) kam als Tamile vor zehn Jahren in die Schweiz und nach Chur. Erst arbeitete er in der Küche des Kantonsspitals, dann in der renommierten Küche des Restaurants „Vabene“. Aber jetzt, also seit Mai dieses Jahres, beglückt er die Gäste im Kulturpunkt. Und das ist – besonders was seine Suppen-Kreationen betrifft – ein wirklicher Glücksfall!

November ist ja der Suppenmonat par excellence, und da sollte man mittags unbedingt öfters im Kulturpunkt erscheinen. Ja, manche Gäste kommen nur schon der Suppe wegen – Überraschung ist angesagt! Auf Jinods Liste stehen 17 Suppenrezepte. Heute gab es eine Randencrème-Suppe, gestern eine Apfel-Selleriecrème-Suppe, morgen vielleicht die würzige tamilische gelbe Currysuppe? Dieser Koch aus Leidenschaft (erst musste er auf Wunsch der Eltern eine Informatikausbildung machen) probiert in seiner Freizeit eigene Rezepte aus, wagt sich zum Beispiel an eine Preiselbeercrème-Suppe oder an eine Ananas-Zitronengrascrème-Suppe. Am liebsten mag Jinod die rote Thai-Currysuppe mit grillierten Riesencrevetten und liefert gleich das Rezept dazu:

Vorbereitung: Zwiebel, Knoblauch, Karotten, Sellerie und Ingwer schälen und klein schneiden, Zitronengras und Chili klein schneiden, Crevetten schälen und mit Salz, Pfeffer und Cayennepfeffer marinieren.

Zubereitung: Alles mit Sesamöl im Topf andünsten, Tomatenpüree und Thai Rote Currypaste dazu geben, mit Mehl bestäuben, mit Weisswein ablöschen, Hühnerbouillon und Wasser dazu geben, 20 Minuten kochen lassen, Kokosmilch dazu und weitere 10 Minuten kochen, im Standmixer pürieren, dann durch feines Haarsieb passieren. Alles in Suppentasse anrichten, mit Rahm und Thai Basilikum garnieren und Crevetten dazu reichen- geniessen!

Wem das alles dann doch zu kompliziert ist (es fehlen hier ja noch die Masseinheiten – wieviel ist zum Beispiel 30 Gramm Zitronengras?), dem ist nur zu raten: fleissig mittags im Kulturpunkt einkehren und den Koch loben! Damit er uns mit noch vielen herrlichen Suppenrezepten die Seele wärmt. Klar kann Jinod auch klassische Gerstensuppe und schöne Hauptgang-Teller zubereiten, aber seine Suppen, die er bei Frau und Kind zuhause probekocht, sind einfach ein Hit, den es so nur im Kulturpunkt gibt.

Unser Bild: Die Suppe, in der noch Randenstücklein schwimmen, kommt in den Mixer.

Wir sind aktive Biodiversitätsleute

Eigentlich wollte ich mich eine Weile still verhalten. Man kann ja nicht über jedes Apéröli, das in unserm Haus stattfindet, eine Story schreiben. Das wäre übertrieben und auch langweilig. Aber am letzten Samstag ging es um einen nationalen Anlass. Es fand nämlich der nationale Heckentag statt, und Christine kann sich stolz selber auf die Schulter klopfen, weil sie dieses Ereignis für unsere Halde praktisch umgenutzt hat. Also gibt es wieder Stoff zum Berichten, und auch Brigitta meinte, sie wolle dann ein paar Fotos für unser Hausarchiv.

Es ging darum, eine einreihige Wildsträucherhecke entlang der Grenze zum Rebberg zu pflanzen. Die jungen Gewächse konnte Christine dank der Teilnahme an eben diesem Heckentag mit zwanzig Prozent Rabatt in der Baumschule Rodels beziehen. Da lagen Haselnuss, Schneeball, Rosen, Vogelbeeren und andere Sorten am Samstag früh ausgestreckt auf unserer Terrasse. Das Einpflanzen braucht aber Fachwissen, wie ich schnell feststellen konnte. Ich sah Nunzia, wie sie pure Schafwolle in Stücke riss. Das hier sei ihre alte Bettdeckenfüllung, die nun quasi als Bett für die Wurzeln der neuen Pflanzen diene. Darüber komme dann wieder eine Humusschicht. Und dann natürlich Wasser, das jetzt dank unserm eigenen Brunnen gleich vor Ort zur Verfügung steht.

Weiter oben bereitete Thomas mit Kokosmatten das Bett für neue Obstbäume vor. Das Gelände ist aber so steil, dass ich mich nur mithilfe der Wanderstöcke hinauf getraue. Nun, Thomas weiss so viel über alte Apfelsorten und das Okulieren (Fachwort – bitte selber googeln!), dass man sich schon jetzt auf die erste Obsternte freut. Es geht aber um noch viel mehr als bloss um den zukünftigen Biss in den eigenen Apfel, denn die Aktion „Heckentag“ meint gelebte Biodiversität! Das ist auch das Anliegen unserer Gartengruppe. Da sind beispielsweise mehrere Beigen von Ästen und Zweigen in der Halde zu sehen – kein Abfall, sondern bewusst auf Dauer errichtet. Dann gibt es sogenannte Steinlinsen. In einen Erdaushub wurden linsenförmig Steine gelegt. Solche Holz- und Steinhaufen sollen als Unterschlupf für Kleinlebewesen dienen. „Hier können Käfer, Echsen. Frösche, Blindschleichen wohnen“, freut sich Christine. Ja, wir sind wirklich alle aktive Biodiversitätsleute, und auch die Gerstensuppe, die Heidi und Brigitta zum Zmittag servieren, enthält nur Bio-Gemüse. Unser Bild zeigt Christine tatkräftig beim Umsetzen des nationalen Heckentages.

Ich mache gerne die Stellvertretung

Was ich in unserm Haus gerne mache ist die Stellvertretung für unsern Gastrochef Memet zu übernehmen. Immer am Freitag ab 14 Uhr hat ja Memet seine Zimmerstunde, bevor er abends wieder im Einsatz am Konzert steht. Also es läuft ja in den Nachmittagsstunden nicht viel, und die Kaffeemaschine bedienen kann ich schon ganz gut. Nun platzte aber letztmals eine Horde junger Frauen ins Restaurant, und die wollten Chai Tee trinken. Ein Glück, dass Cornelia noch in der Küche werkte und mir zeigen konnte, wie man die fertigen Beutelchen nur noch aufschäumen muss.

Da sass auch noch ein junger Türke am langen Tisch, spielte mit dem Handy und trank seinen Gratistee. Dafür musste er übrigens Hand anlegen als es darum ging, im Saal den schweren Tschütterlikasten ins Freie zu tragen. Dabei merkte er offenbar, dass wir dabei waren, ein Konzert vorzubereiten. Mit seinem knappen Englisch fragte er Cornelia und mich, was das Ticket denn koste. Wir schüttelten beide den Kopf, worauf er sich glückstrahlend mit Handkuss verabschiedete und ich ihn am Abend dann tatsächlich unter den Gästen sah.

Solche Geschichten sind doch einfach schön! Schön war natürlich auch, dass wir so viele Leute am Hampa-Konzert hatten wie sonst noch nie. Gut, ich hatte einfach mal ein Inserat in der BüWo geschaltet – auf eigene Kosten. Ist ja herausgeworfenes Geld, wenn man sieht, was die Parteien gleichzeitig für den Wahlkampf in den Werbekampagnen ausgeben. So blöd – die Politiker würden gescheiter dafür sorgen, dass die Krankenkassenprämien fallen anstatt steigen. Aber in unserm Fall hat das kleine Inserätli doch seine Wirkung entfaltet! Da strömten nämlich Menschen in unsern Konzertsaal, die man noch nie hier gesehen hatte. Sie waren überrascht, wie nett es bei uns ist, und als die Präsidentin des Kulturpunkts dann noch am Mikrophon stand und erklärte, was eben dieser Kulturpunkt an sozialem Engagement leistet, da waren sie bei der Hutsammlung recht in Spendierlaune. Kann man nur „Dankeschön“ sagen! Klar gilt dieser Dank jedoch zuerst unserm Hampa mit seinem Pianisten Benno – die Elvis Love Songs haben alle alle alle glücklich gemacht!

Jetzt gab Heidi schon den zweiten Capunskurs

Wie man weiss steht unser Gemüsegarten an der Halde in vollem Betrieb und das Beet mit Mangold leuchtet derzeit in kräftigem Grün. Aber wohin mit den vielen Mangoldblättern? „Capuns machen“ heisst die Devise, doch nicht alle in unserer Genossenschaft kennen dieses Gericht. Die Menschen, die unter unserm Dach leben, kommen aus verschiedenen Himmelsrichtungen und sind mit der Bündner Küche mitunter nicht so vertraut.

Aber eine, die „Capuns“ schon seit ihrer Kindheit kennt, ist unsere Heidi! Die Churerin hat später ja auch ihrer Familie dieses Traditionsessen aufgetischt. Jetzt erklärte sie sich bereit, ihr Rezept mit der „Nicht-Bündnergarde“ im Haus zu teilen. Das hat sie ganz praktisch am Küchentisch und in unserm Gemeinschaftsraum umgesetzt. Schon der erste Capunskurs vor einigen Wochen war ein Erfolg, sodass letzten Samstag ein weiterer Kurs folgte. Daran nahmen eine Slowenin, ein Holländer und eine Deutsche teil (was zeigt, wie vielfältig unsere Gemeinschaft ist!)

Zuerst geht es ja um den speziellen Spätzliteig, wozu drei Eier, ein Esslöffel Salz und halb Milch halb Wasser benötigt werden. Man soll ihn eben mit der Holzkelle schön geschmeidig schlagen, worauf er dann noch glatte Peterli und andere Kräuter aus dem Garten bekommt. „Fleisch für die Capunsfüllung gibt es fixfertig beim Metzger Mark in der Altstadt“, erklärt Heidi. Man müsse die kleinen Stückli nur noch kurz anbraten. Anka jedoch macht eine vegetarische Füllung mit Kürbis, Peperoni und Kastanien.

Unterdessen sind die Mangoldblätter samt Stiel in kochendem Wasser blanchiert und in ein Sieb abgegossen worden. Auf unserm grossen Tisch im Gemeinschaftsraum beginnt jetzt das Füllen und Wickeln. Löffelweise kommt die Füllung aufs Blatt. Es stehen feuerfeste Schalen bereit, in welche die fertigen Päckli dicht aneinander platziert werden. Ab geht es jetzt in den Ofen, nachdem ein Guss aus Bouillon und etwas Milch darüber gegossen worden ist. „Wer will, kann auch noch Alpkäse darüber reiben“ meint Heidi. Vierzig Minuten bei 200 Grad! Inzwischen decken wir den Tisch, und weil ich Fotos gemacht habe, bin ich auch zu diesem Capunsschmaus eingeladen. Danke vielmals!

Übrigens: die Capuns tiefkühlen (vor dem Backen in Säckli abfüllen) geht auch prima.

Unser Bild zeigt die Kursteilnehmenden in voller Aktion.

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