Das mit dem „Loslassen können“

Wer die Absicht hat, Teil unserer Wohngenossenschaft zu werden, verbindet damit nicht unbedingt eine in Quadratmetern zu messende Vergrösserung seines Lebensbereiches. Das Gegenteil ist der Fall, denn die meisten Bewohner und Bewohnerinnen konnten zuvor über eine grössere Eigentumswohnung oder sogar über ein Einfamilienhaus mit Umschwung verfügen. Man musste also das bisherige Heim vermieten oder verkaufen, was entsprechend umständlich ist und selten von heute auf morgen geschieht.

Im Allgemeinen wäre es naheliegend, wenn die eigenen erwachsenen Kinder Interesse am Wohnobjekt bekunden würden.  Aber wie das so ist, diese Buben und Mädchen von einst haben inzwischen ihren eigenen Lebenskreis aufgebaut, vielleicht sogar ein Eigenheim in einer ganz anderen Ecke der Schweiz gebaut, und wollen oder können aus beruflichen Gründen nicht zurück ins Elternheim. Nein, mit der Vermietung herumschlagen wollen sie sich auch nicht.

Wenn dann interessierte Senioren auf Besichtigungstour in unserer ibc sind, hört man sie oft etwa so sprechen: „Es gefällt uns sehr, wir würden wirklich gerne hier leben, aber es ist halt so, dass wir ja erst unser Haus verkaufen müssten, den eigenen Garten aufgeben…“

Sie verlassen uns dann, versorgt mit reichlich Dokumentationen über unsere ibc, und geben nur eine vage Zusicherung im Sinn von: „Sehr schön, aber wir sind ja noch rüstig und gut zu Fuss und überlegen es uns erst einmal.“

Ja, da wäre dann das grosse Loslassen gefragt. Dass man Materielles nicht mit ins Grab nehmen kann, scheint ohne Bedeutung zu sein. Auch dass das wirkliche Loslassen oft auch eine psychische Erleichterung bedeutet, wird verdrängt. Diese Menschen warten dann vielleicht zu lange und haben schliesslich nur noch die Alternative Altersheim. Ich selber musste meine geräumige Eigentumswohnung mit eigener Waschmaschine und grossem Kellerbereich aufgeben, ja, dann habe ich sogar mein Auto verkauft und den Fahrausweis abgegeben. Was soll’s? Der Tausch mit einer kleineren Wohnung in der ibc war doch ein Gewinn, und anstatt mit dem Auto bin ich mit dem GA der SBB fast ebenso mobil. Das dadurch eingesparte Geld kann ich locker fürs Reisen ausgeben.

Loslassen können, das übe ich weiterhin, und wenn es nur darin besteht, dass der Abfallsack noch mit etwas Überflüssigem gefüllt wird. Ein Gang in den Keller fördert ja hie und da Dinge zu Tage, die man gar nicht vermisst, wenn sie nicht mehr vorhanden sind.

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